Das Ende der ISS naht – was kommt danach?

Nach 25 Jahren im Orbit
Das Ende der ISS naht – was kommt danach?

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 25.06.2026
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NASA, ISS
Foto: NASA

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert schwebt die Internationale Raumstation (ISS) über unseren Köpfen. Alle 90 Minuten umrundet sie den Planeten und bietet bis zu sieben Raumfahrern aus verschiedenen Nationen gleichzeitig Platz.

Lange soll das nicht mehr so gehen, denn die NASA will die Station bald ersetzen. Auch China und Russland arbeiten an Alternativen.

Länger als gedacht

Ursprünglich war die ISS nur für eine Betriebsdauer von etwa 15 Jahren ausgelegt. Die NASA schätzt zwar, dass die primäre Struktur der Station bis 2028 mit hoher Zuverlässigkeit standhält und eine Verlängerung bis in die späten 2030er Jahre oder sogar bis 2040 technisch möglich wäre.

Lohnen tut sich das laut NASA allerdings nicht. Denn mit zunehmendem Alter wird die Wartung aufwendiger und teurer. Schon jetzt gibt es auf der ISS immer wieder technische Probleme. Beispielsweise wurden erneut Risse im russischen Segment entdeckt, durch die Luft entwich.

Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von knapp drei Milliarden US-Dollar, von denen allein rund 60 Prozent auf den Transport von Besatzung und Fracht entfallen.

Mehr Privatwirtschaft im All

Und weil der Betrieb und der Bau eben sehr teuer sind, wollte die NASA einen Kurswechsel. Bereits 2017 beauftragte der US-Kongress die Behörde, den Übergang zu einer kommerziell betriebenen Raumfahrtwirtschaft in der erdnahen Umlaufbahn vorzubereiten.

Sechs Unternehmen arbeiten seither an Nachfolgestationen, die sie selbst bauen, besitzen und betreiben würden. Die NASA wäre dann nicht mehr Eigentümerin, sondern Kundin, die Missionsdienste einkauft und Stationen für ihre Besatzungen zertifiziert. Erhofft wird dadurch eine deutliche Kostensenkung sowie Spielraum für weitergehende Erkundungsmissionen.

Im März wollte die NASA dann doch wieder mehr in Eigenregie arbeiten. Nun steht nämlich auch die Möglichkeit im Raum, ein eigenes Kernmodul zu entwickeln, das zunächst an die ISS andockt und nach deren Außerbetriebnahme als eigenständige Station weiteroperiert. Zwei kommerzielle Module könnten sich anschließen. Welchen Weg die NASA einschlägt, soll noch im Sommer entschieden werden.

Der Übergang zur kommerziellen Nachfolge bleibt ein Drahtseilakt. Bis 2030 sollen kommerzielle Stationen eine bemannte Demonstration mit mindestens vier Personen über 30 Tage absolvieren.

Gelingt das nicht rechtzeitig, droht eine Lücke in der kontinuierlichen menschlichen Präsenz im Weltraum, die erste seit über zwei Jahrzehnten. Die US-Behörde für Haushaltskontrolle, der US-Rechnungshof, empfiehlt der NASA, die Wahrscheinlichkeit und mögliche Dauer einer solchen Lücke systematisch zu ermitteln und Gegenmaßnahmen zu dokumentieren. Eine verbindliche Entscheidung über den weiteren Kurs steht noch aus.

Ein geplanter Absturz ins Meer

Der konkrete Ablauf des ISS-Endes ist bereits durchgeplant. Ab Anfang 2028 soll die Station schrittweise abgebremst werden, zunächst durch atmosphärischen Luftwiderstand und Bremsmanöver des russischen Segments.

Für 2029 ist der Start eines von SpaceX gebauten Abbremsvehikels vorgesehen, das an die ISS andockt und sie mit 46 Triebwerken gezielt in die Atmosphäre drückt. Das sogenannte "Deorbiting" ist natürlich auch nicht kostenfrei, wie der Rechnungshof in einem aktuellen Bericht zu bedenken gibt. Anfang 2031 schließlich soll die Station im sogenannten Point Nemo versinken.

Die Ocean Foundation, eine auf Meeresschutz-Organisation aus Washington, warnt, die NASA habe die ökologischen Konsequenzen nicht ausreichend untersucht. Nicht alles werde beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühen, erklärt Organisationspräsident Mark Spalding.

Dichtere Bauteile einer Struktur von der Größe eines Fußballfelds würden den Meeresboden erreichen. Welche Materialien das konkret seien und welche Schäden sie im Ökosystem anrichten könnten, sei bislang weder hinreichend erforscht noch öffentlich offengelegt worden.

Auch die atmosphärischen Auswirkungen des größten kontrollierten Wiedereintritts der Geschichte seien kaum untersucht.

Im Orbit bleiben kann die ausgediente Station allerdings auch nicht, denn schon jetzt ist Weltraumschrott eines der größten Risiken für Satelliten und Raumfahrt.