Nach dem erfolgreichen Erstflug der Sojus-5 Ende April will die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos nun eine zweite und dritte Trägerrakete des Typs vorbereiten. Anschließend soll der Serienbetrieb beginnen, kündigte der Roskosmos-Chef, Dmitri Bakanow, an.
Schon in zwei Jahren, 2028, sollen die regelmäßigen Starts vom Kosmodrom Baikonur beginnen. Mit dem ersten erfolgreichen Flug deutet tatsächlich vieles darauf hin, als könnte der Zeitplan tatsächlich gehalten werden.
Danach sah es lange Zeit nicht aus. Ein Erstflug war zunächst für 2022 angesetzt, dann für 2023 und schließlich für Dezember 2025. Das lag einerseits an Verzögerungen in der Raketenentwicklung, vor allem aber an Problemen mit der Startrampe in Baikonur.
Die Schwierigkeiten könnten durchaus wieder aufkommen und den Regelbetrieb behindern. Die Startrampe 45/1, ursprünglich für die Zenit-Rakete gebaut, musste zunächst für die Sojus-5 umgebaut werden. Sie ist die einzige kasachische Startrampe, von der aus Trägerraketen der mittleren und schweren Nutzlastklasse starten können.
Das wurde bei der Konzeption des neuen Trägers bereits bedacht, da eine andere Rampe in Baikonur von Anfang an nicht zur Verfügung stand. So konnte ein Großteil der bestehenden Zenit-Infrastruktur weitergenutzt werden, allerdings nur mit Modifikationen.
Schuldenstreit und Beschlagnahmung
Für das Projekt "Baiterek" vereinbarten Russland und Kasachstan eine gemeinsame Finanzierung und Modernisierung des Komplexes. Die Zusammenarbeit verlief nicht ohne Hürden. Russland ließ eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die Sojus-5 ausfallen, die die Roskosmos-Tochter TsENKI hätte durchführen sollen.
Außerdem gab es einen Schuldenstreit um etwa 25 Millionen Euro. Als Reaktion pfändete Kasachstan im März 2023 die Vermögenswerte von TsENKI in Baikonur. Die Bauarbeiten kamen daraufhin zum Erliegen, und auch der Erstflug verschob sich, denn ohne fertige Infrastruktur gab es keine Möglichkeit für Tests.
Nach diplomatischen Verhandlungen wurden die Arbeiten schließlich wieder aufgenommen. Der damalige Roskosmos-Leiter Juri Borissow und der kasachische Minister für digitale Entwicklung einigten sich darauf, die Entwicklung der Sojus-5 und ihres Startplatzes aufeinander abzustimmen. Borissow erklärte, beide Seiten beabsichtigten, das Baiterek-Projekt abzuschließen, da es "die Zukunft des Kosmodroms Baikonur sichern werde".
Anfang 2025 ratifizierte das kasachische Parlament ein überarbeitetes Abkommen, das den Beginn der Flugtests neu terminierte, dem Joint Venture Baiterek Steuervergünstigungen gewährte und Russlands Verpflichtung zur Nutzung des Komplexes ab 2028 von zwei auf drei Starts pro Jahr erhöhte.
Kasachstan startet von der Anlage keine eigenen Raketen und die ungenutzte Infrastruktur würde das Land nur Geld kosten, weswegen die Zusage der russischen Starts in den Verhandlungen wichtig war.
Vertraglich ist Russland also verpflichtet, bis 2028 mit der Sojus-5 in den Regelbetrieb zu starten. Nach 2050 läuft der Vertrag aus, der Russland die Kontrolle über Baikonur sichert, und der Weltraumbahnhof geht wieder vollständig in kasachische Hand über.
Raketenstarts nur noch in Russland
Anstatt Raketen weiterhin in Kasachstan starten zu lassen, wird Russland den Betrieb dann vollständig auf heimische Kosmodrome verlagern. Wostotschny im Fernen Osten und Plessezk im Nordwesten des Landes werden derzeit ausgebaut, um für Träger aller Klassen nutzbar zu sein.

Von den heimischen Weltraumbahnhöfen in Russland können bisher nur leichte und schwere Träger starten. In Zukunft soll sich das ändern.
Die superschwere Jenisei, die auf der Sojus-5 basiert, soll ebenfalls direkt von Wostotschny fliegen. Das ist eon klares Zeichen dafür, dass Russland sich bereits auf den Ausstieg aus Baikonur vorbereitet. Die neue Infrastruktur ist jedoch teuer, weshalb Baikonur bis zum Auslaufen des Pachtvertrages die kostengünstigere Alternative für die Sojus-5 bleibt.





