Die USS Abraham Lincoln (CVN-72) soll wieder zurück in die USA. Dort sollte sie im Mai ankommen, musste dann allerdings doch weiter auf See bleiben, da derzeit ein Ende des Iran-Kriegs nicht in Sicht ist.
Um die Besatzung der Lincoln zu entlasten, die seit November ununterbrochen im Einsatz ist, wird die USS George Washington (CVN-73) von der Yokosuka Naval Base in Japan in Richtung Iran beordert.
Damit ist der westliche Pazifik erstmals seit über anderthalb Jahrzehnten ohne einen US-amerikanischen Flugzeugträger. Bisher war die Region für Washington militärische Priorität, um gegen China und Nordkorea Stärke zu projizieren.
Spätestens seit Beginn der Offensive gegen Iran im Februar ist dieser Plan hinfällig. Trägerkampfgruppen und Raketenabwehrsysteme wurden abgezogen. Unter anderem die THAAD- und Patriot-Abwehrbatterien, die zuvor in Südkorea stationiert waren.
Begrenzte Kapazitäten der Trägerflotte
Die US-Marine verfügt insgesamt über elf Flugzeugträger und kann es sich damit kaum leisten, in mehreren Kriegs- und Spannungsregionen dauerhaft präsent zu sein.
Die neue Trägerklasse Gerald Ford liegt weit hinter dem Zeitplan zurück, und das bislang einzige aktive Schiff dieser Klasse, die USS Gerald R. Ford (CVN-78), kämpft selbst mit technischen Problemen.
Mehrere Träger befinden sich derzeit ohnehin in planmäßiger Wartung. Einsatzbereite Träger sind daher für die USA rar gesät.
Das Pentagon verteidigt den Schritt und verweist darauf, dass die Streitkräfte weiterhin in der Lage seien, militärische Kapazitäten je nach Bedrohungslage flexibel zwischen den Regionen zu verschieben.
Einen Flugzeugträger, den man als Ersatz in den Westpazifik schicken könnte, gibt es allerdings nicht. Bei den Verbündeten, allen voran Japan, Südkorea und Taiwan, könnte das nun Zweifel an der Glaubwürdigkeit der US-Sicherheitsgarantien auslösen.
Kongress fordert Aufklärung über Zustände an Bord der Lincoln
Dass die USS Lincoln nicht weiter auf See bleiben kann, ist inzwischen auch innenpolitisch klar. Berichte über mangelhafte hygienische Zustände, knappe Versorgung, Materialermüdung sowie Meldungen, wonach Besatzungsmitglieder unter dem psychischen Druck versucht haben sollen, über Bord zu springen, alarmierten mehrere demokratische Abgeordnete.
Der Kongressabgeordnete Pat Ryan veröffentlichte einen von 22 Kongressmitgliedern mitgetragenen Brief an den amtierenden Marineminister Hung Cao. Darin warnt er, die Verlängerung von Einsatzzeiten habe sich zu einem wiederkehrenden Muster in der Kriegsführung der Regierung gegen Iran entwickelt.





