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Mit Mach 5 von London nach Sydney

Briten wollen Hypersonic-Airliner entwickeln

Foto: Reaction Engines

Mehr als anderthalb Jahrzehnte nach dem Aus für die Concorde träumt man in Großbritannien wieder von einem Überschall-Passagierjet. Die britische Raumfahrtagentur will ab den 2030er-Jahren Touristen mit Mach 5 von London nach Sydney schicken. Flugdauer: viereinhalb Stunden.

Dr. Graham Turnock, Leiter der britischen Weltraumbehörde, gibt sich zuversichtlich: In spätestens anderthalb Jahrzehnten wollen er und seine Mitstreiter den Luftverkehr komplett auf den Kopf stellen. Ihr Plan: ein Hyperschallflugzeug zu bauen, das Passagiere mit fünffacher Schallgeschwindigkeit in viereinhalb Stunden von England nach Australien fliegen soll – effizient und umweltfreundlich obendrauf. „Das ist kein Science-Fiction, das ist kein Wunschtraum, sondern es ist buchstäblich in Arbeit!“, lässt sich Turnock von der australilischen Nachrichtenseite news.com.au zitieren.

Mit SABRE-Antrieb auf Mach 5

Herzstück des Flugzeugs – mehr als doppelt so schnell wie die im Königreich unvergessene Concorde – soll laut der UK Space Agency das SABRE-Triebwerk der Firma Reaction Engines aus Oxfordshire werden. SABRE steht für „Synergetic Air Breathing Rocket Engine“ – ein Hybrid aus Jetantrieb und Raketentriebwerk, an dessen Entwicklung sich auch die europäische Raumfahrtbehörde ESA sowie BAE Systems, Boeing und Rolls-Royce finanziell beteiligen. Im Jetmodus soll SABRE bis Mach 5 erreichen, im Raketenmodus außerhalb der Atmosphäre gar bis Mach 25. Die ESA sieht das SABRE-Triebwerk daher vor allem als möglichen Antrieb für künftige einstufige Raumfahrzeuge.

Foto: Reaction Engines
Das SABRE-Triebwerk von Reaction Engines aus Oxfordshire soll als Antrieb für den geplanten Hyperschalljet dienen. Der Jet-Raketen-Hybrid könnte auch für Raumfahrtzwecke Verwendung finden.

Triebwerksarbeiten „sehr weit fortgeschritten“

Die Briten dagegen wollen damit auch schnelle Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auf der Erde realisieren - zum Beispiel von England nach Australien, eine Strecke, die derzeit auf dem Luftweg gut 20 Stunden in Anspruch nimmt. Aus diesem Grund verkündete die UK Space Agency jüngst eine engere Kooperation mit der australischen Weltraumbehörde, um die Entwicklung des dafür angedachten Flugzeugs voranzutreiben. „Wenn wir den SABRE-Raketenantrieb zum Einsatz gebracht haben, können wir möglicherweise in nur vier Stunden nach Australien kommen“, so Graham Turnock. SABRE sei eine Technologie, „die das definitiv ermöglichen könnte.“ In den 2030er-Jahren wolle man den operativen Betrieb starten. Die Arbeiten am Triebwerk seien bereits sehr weit fortgeschritten.

Heiße Luft muss heruntergekühlt werden

Am SABRE-Triebwerk arbeitet Reaction Engines bereits seit mehr als einem Jahrzehnt. Ein Knackpunkt bei der Entwicklung sind Wärmetauscher, die die beim Hyperschallflug einströmende, heiße Luft stark abkühlen sollen. So sollen Hitzeschäden am Triebwerk verhindert werden. Diese Pre-Cooler bestehen aus kleinen Röhrchen, durch die Helium mit einem Druck von 200 bar fließt. Im April 2019 meldete Reaction Engines erfolgreiche Pre-Cooler-Tests, bei denen angeblich Bedingungen wie bei Mach 3,3 simuliert wurden. Diese Tests fanden am Colorado Air and Space Port in den USA statt. Die Ergebnisse belegten, dass sich über 1000 Grad Celsius heiße Luft in weniger als einer Zwanzigstel Sekunde auf Umgebungstemperatur abkühlen ließe, so Reaction Engines damals weiter. Betrieben werden soll SABRE im Jet-Modus übrigens mit Hilfe von verdampftem Wasserstoff und Luftsauerstoff, was die Umweltbilanz des projektierten Hyperschallflugzeugs deutlich aufbessern würde. So bliebe lediglich der unvermeidliche „Sonic Boom“, der Überschallknall, als ungelöstes Problem. Bis das geplante Hyperschallflugzeug tatsächlich Form annimmt, dürften aber auch sonst noch einige hohe Hürden zu meistern sein. Ob dafür die Zeit bis zum Jahr 2030 auseicht, oder ob dem Projekt unterwegs vieleicht doch die Luft ausgeht, bleibt abzuwarten.

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