Roll-out der Falcon 10X: Der neue Super-Bizjet von Dassault

Roll-out der Falcon 10X
Hier kommt der neue Super-Bizjet von Dassault

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.03.2026
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Roll-out der Dassault Falcon 10X am 10. März 2026.
Foto: Dassault (C. Cosmao)

Lasershow, stampfende Rhythmen, Videosequenzen auf zwei XL-Displays – dann verziehen sich die Rauchschwaden und geben den Blick auf den Star des Abends frei. Das neue Flaggschiff von Dassault Aviation, die Falcon 10X, ist bereit für den Erstflug und damit für die Flugerprobung auf dem Weg zur Zertifizierung. Es ist ein Roll-out, der den Markt der Langstreckenjets umkrempeln könnte: Der französische Hersteller wildert mit der 10X jetzt im Revier der Topmodelle von Bombardier und Gulfstream. "Dassault Falcons waren schon immer Vorreiter in der Geschäftsluftfahrt. Die 10X bildet da keine Ausnahme, denn sie verkörpert die beste Technologie, die derzeit verfügbar ist. Aus Sicht des Nutzers ist die Gleichung ganz einfach: ein objektiv besseres Erlebnis", sagte Eric Trappier, President und CEO von Dassault Aviation, als letzter Redner einer glamourösen Bühnenshow, die unter anderem von US-Journalist und Pilot Miles O’Brien moderiert wurde. Rund 400 Kunden, Partner und Journalisten aus allen Teilen der Welt waren am Abend des 10. März zum Dassault-Werk am Flughafen Bordeaux-Mérignac angereist.

Roll-out der Dassault Falcon 10X am 10. März 2026.
Patrick Holland-Moritz

Know-how aus dem Kampfjet Rafale

Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis die 2021 inmitten der Pandemie vorgestellte Falcon 10X den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Zwischenzeitlich sind vier Falcon 10X fertig bzw. auf dem Weg dorthin, endmontiert in einem eigens errichteten Hangar mit 26500 Quadratmetern Fläche. Ursache für die Verzögerung seien, so heißt es, militärische Aufträge gewesen, die einige Kapazitäten gebunden haben. Dieser vermeintliche Nachteil ist aber auch ein Vorteil. Die 10X ist ein von Grund auf neu konstruierter Business Jet, der das derzeit technisch Machbare repräsentiert und die bestehende Falcon-Familie in allen Disziplinen überflügelt. Dassault Aviation macht kein Geheimnis daraus, dass man von der Erfahrung mit militärischen Projekten profitiert hat: "Hier ist viel Know-how aus der Rafale eingeflossen", sagte Philippe Reignier, Technical Sales Manager. Die Ingenieure aus beiden Bereichen arbeiten Hand in Hand.

Reduziert man die Falcon 10X auf ihre technischen Werte, so stehen 7500 Nautische Meilen (13.890 Kilometer) Reichweite im Datenblatt, was bedeutet, dass die 10X von Paris aus fast alle Ziele auf der ganzen Welt mit Ausnahme weiter Teile Australiens und dem äußersten Süden Amerikas nonstop erreichen kann. Damit fliegt der französische Falke auf Augenhöhe mit der Gulfstream G800 (8200 NM/15.186 km) und der Bombardier Global 8000 (8000 NM/14.816 km). Die Höchstgeschwindigkeit gibt Dassault mit Mach 0.925 an, knapp unter der Global 8000, die mit Mach 0.95 als schnellstes ziviles Flugzeug seit der Concorde gilt.

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Eine Kabine der Extraklasse

In Sachen Komfort und Kabinengröße soll die 10X die Wettbewerber aus Kanada und den USA klar übertreffen – Dassault bezeichnet die 10X selbstbewusst als "Penthouse in the Sky". 2,77 m misst die Kabine in der Breite, 2,03 Meter in der Höhe und 16,40 Meter in der Länge – ergibt 78,7 Kubikmeter Volumen, 30 mehr als die Falcon 6X. Durch 38 Fenster gelangt viel Licht in den Innenraum, die Kunden nach dem Prinzip "Plug and Play" flexibel in drei oder vier Zonen einteilen können. Möglich sind private Bereiche, Zonen zum Wohnen, aber auch Extras wie ein Schlafzimmer mit Queen-Size-Bett oder eine Dusche mit Fenstern – Körperpflege mit Blick auf die Wolken von oben, mehr Luxus geht kaum. In Flugfläche 410 entspricht der Luftdruck an Bord rund 900 Metern in der Atmosphäre. Geatmet wird nicht Zapf-, sondern reine Frischluft. Das im Flug zugängliche Gepäckfach mit 5,60 Kubikmeter Volumen und Platz für etwa 30 Koffer sei das größte, was im Rahmen der Zulassungsvorschriften realisierbar gewesen sei. Dass es an Bord ebenso flüsterleise wie in 6X und 8X zugehen soll, versteht sich von selbst. Ebenso gehört ein Online-Zugang zu den Annehmlichkeiten.

Roll-out der Dassault Falcon 10X am 10. März 2026.
Dassault (A. Taiba)

Tiefer Griff in die Aerodynamik-Trickkiste

Was die Passagiere nicht direkt mitbekommen, ist der technische Aufwand, den die Ingenieure betrieben haben, um die 10X zu dem zu machen, was sie ist: Ein ebenso schneller wie effizienter Langstreckenjet. Der Rumpf wird aus Alumium gefertigt, während die um 33,7 Grad gepfeilten Flügel mit vier Slats an den Vorderkanten, sechs Spoilern und zwei Klappen pro Seite aus Carbon hergestellt werden. Der Werkstoff ist leicht, hochfest und ermöglicht ein dünnes Profil, das im Hochgeschwindigkeitsbereich wenig Widerstand erzeugt und gleichzeitig steile Anflüge auf kurze Pisten wie etwa am London City Airport ermöglicht. Optisch markant ist auch die abgeflachte Front der 10X. Rund 1800 Meter Startstrecke genügen der 10X unter Standardbedingungen, um zu Reisen rund um den Globus aufzubrechen.

Roll-out der Dassault Falcon 10X am 10. März 2026.
Patrick Holland-Moritz

NeXus-Avionik mit FalconEye

Testpilot Antoine Doussaud gewährte einen Einblick in die fliegerischen Qualitäten der Falcon 10X. Obwohl der Jet den Erdboden noch nicht verlassen hat, gibt es im französischen Istres einen Full-Motion-Simulator von FlightSafety, dem Partner fürs künftige Training der Piloten. Seit vielen Jahren stattet Dassault Aviation seine Business Jets mit Fly-by-wire-Steuerung aus, die mit der auf Honeywell-Technologie basierenden Avioniksuite namens NeXus ihr Potenzial voll ausspielen kann.

Vier Primary Displays und vier Secondary Displays in T-Anordnung stellen der Crew alle erdentlichen Informationen auf einer übersichtlichen Benutzeroberfläche bereit. Für die Dateneingabe gibt es zudem zwei Touchpads, die auch Eingaben per Handschrift erkennen. "Open World Applications" ermöglichen es, Fremdanwendungen auf den Avionikcomputern auszuführen, was die 10X beispielsweise für militärische Anwendungen qualifizieren kann. Zudem sind zwei Head-up-Displays des FalconEye-Systems an Bord, ein Combined Vision System, das reale und synthetische Daten vereint und die Entscheidungshöhe für Landungen bei schlechtem Wetter auf 100 Fuß über Grund reduziert. Das Overhead Panel wurde im Vergleich zur Falcon 6X verkleinert.

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Smart Throttle: Ein Hebel für alles

Die elektronische Flugsteuerung der 10X findet ihre konsequente Fortsetzung in Smart Throttle, eine aus der Rafale adaptierte Technologie. Mit einem einzigen Leistungshebel kontrolliert der Pilot beide Triebwerke sowie die Airbrakes. Entsprechende Positionen, virtuelle "Notches", definieren bestimmte Flugzustände wie etwa den Steigflug. Fällt ein Triebwerk aus oder deaktiviert der Pilot dieses absichtlich, so gleicht die Elektronik das Giermoment automatisch aus. Die 10X fliegt dann zwar mit reduzierter Leistung, aber vollständig kontrollierbar weiter. Zudem regelt das System auch die Triebwerksleistung: Auf Knopfdruck werden Steigflüge oder Durchstartmanöver mit Rücksicht auf die Passagiere so sanft wie möglich geflogen.

Im Hintergrund überwachden Assistenzsysteme den Flug. Bleibt der Pilot untätig, übernimmt der Computer die Kontrolle über Autopilot und Schubregelung. Auch ist es nicht möglich, die zulässigen Geschwindigkeiten zu überschreiten. Darüber hinaus gibt es den 360-Grad-Protection-Mode. Der Jet reagiert auf Windscherungen, verhindert Kollisionen mit dem Gelände, achtet auf Vereisung, behält den Verkehr im Luftraum im Blick, leitet bei Druckverlust in der Kabine den Sinkflug ein und warnt vor dem Überschießen der Bahn. Gerät die Falcon 10X in eine ungewöhnliche Fluglage, greift der Autopilot ein und bringt den Jet zurück in die Normalfluglage. Hier sei besonders viel Know-how aus der Fighter-Konstruktion eingeflossen. Slats und Klappen werden je nach Flugphase automatisch gesetzt. "Bei allen Entscheidungen ist allerdings die Crew die letzte Instanz", sagte der Testpilot. Die Piloten können jederzeit selbst die Kontrolle übernehmen.

Rolls-Royce

Pearl 10X: High-Tech-Antrieb aus Dahlewitz

Den Antrieb steuert Rolls-Royce Deutschland bei. Der Triebwerkshersteller aus Dahlewitz bei Berlin hat seine Pearl-Familie weiterentwickelt und auf die Falcon 10X maßgeschneidert. Nach Bombardier und Gulfstream ist Dassault Aviation jetzt der dritte Hersteller, der seine Ultralangstreckenjets mit den neuen Rolls-Royce-Turbinen ausrüstet. Um die noch junge Zusammenarbeit mit Dassault Aviation zu vereinfachen, ist Rolls-Royce seit einiger Zeit mit einer Niederlassung in Mérignac präsent.

Das Pearl 10X beinhaltet den Triebwerkskern aus dem Technologieprogramm Advance2 mit neuen Materialien und aerodynamischen Verbesserungen für eine effizientere Verbrennung. Für die Herstellung der emissionsarmen Brennkammer verwendet Rolls-Royce 3D-Druckverfahren (ALM, Additive Layer Manufacturing). Das Ergebnis ist sind mehr als 80 Kilonewton Schub, die nicht nur aus herkömmlichem Kerosin, sondern (aus technischer Sicht) auch aus 100 Prozent Sustainable Aviation Fuel gewonnen werden können. 3500 Teststunden hat das Triebwerk absolviert und an einer Boeing 747-200 25 Testflüge über eine Distanz von 36.000 Nautischen Meilen absolviert. "Damit sind die Zulassungstests abgeschlossen", sagte Philipp Zeller, Senior Vice President für das 10X-Programm bei Rolls-Royce. Damit ist das Triebwerk auf der Zielgeraden zur EASA-Zertifizierung.

Zulassung, Maintenance und leichtere Reifen

Was sonst sollte man zur Falcon 10X wissen? Spannend ist zum Beispiel die neue Reifengeneration von Michelin. Da ein Flugzeugreifen 95 Prozent seines ökologischen Fußabdrucks während des Flugbetriebs verursacht, liefert der Reifenhersteller den neu entwickelten Air X Sky Light für die Falcon 10X. Der Pneu ist nicht nur 10 bis 20 Prozent leichter als seine Vorgänger, sondern auch langlebiger.

Elektronische Überwachung gibt es bei der 10X nicht nur im Cockpit. FalconScan, bekannt aus der 6X, ist mit allen Systemen verbunden, erfasst 100000 Parameter in Echtzeit und unterstützt so die Wartung des Business Jets. Damit lassen sich fehlerhafte Systeme lassen sich frühzeitig identifizieren. 10X-Betreiber können auf die gut ausgebauten MRO-Netzwerke von Dassault Aviation und Rolls-Royce zurückgreifen.

Wie geht es weiter? Der Erstflug soll "in Kürze" erfolgen. Die Zulassung erwartet Dassault Aviation in zwei bis drei Jahren. Geplant ist zudem eine Welt-Tournee, um den Jet auf seine Praxistauglichkeit zu testen. Der Preis für das Paket aus Reichweite, Komfort und High-Tech: rund 85 Millionen US-Dollar. Auch bei den Finanzen sind die großen Player auf Augenhöhe.