Beim Internationalen Wirtschaftsforum St. Petersburg überreichte Dmitri Jadrow, Chef der russischen Lufttransportbehörde Rosawiazija, die Typenzertifikate für den Regionalturboprop Iljuschin Il-114-300 und das Strahltriebwerk PD-8. Damit dürfen beide Systeme nun offiziell in die Serienproduktion gehen.
Rostec-Generaldirektor Sergei Tschemesow empfing die Dokumente stellvertretend für die beiden beteiligten Staatsbetriebe, die Vereinigte Flugzeugbaugesellschaft (OAK) und die Vereinigte Triebwerksbaugesellschaft (ODK).
Von allen neuen "russifizierten" Zivilflugzeugen ist die Il-114-300 das erste, das auch eine Zulassung erhält. Vizepremier Denis Manturow betonte während der Übergabezeremonie, die Zulassungsurkunde sei eine Eintrittskarte in den heimischen Zivilluftfahrtmarkt. Dafür hätten russische Unternehmen nahezu alle Systeme des Flugzeugs "tiefgreifend modernisiert".
Das Flugzeug in der Basiskonfiguration bietet 64 Sitze, ist mit russischer Avionik und einem digitalen Navigationskomplex ausgestattet und kann unter extremen klimatischen Bedingungen operieren. Von arktischen Breiten bis hin zu tropischen und gebirgigen Regionen soll der Betrieb möglich sein.
Drei Serienmaschinen in Arbeit
Die Il-114-300 soll die in die Jahre gekommenen Antonow-Typen An-24 und An-26, aber auch westliche Turboprops wie die ATR-72 ablösen. In Serie produziert wird der Regionalflieger im MiG-Flugzeugwerk Luchowizy in der Region Moskau, wo bereits mehrere Maschinen in verschiedenen Fertigungsstufen in der Halle stehen.
Parallel dazu wurden auf dem Forum Leasingverträge zwischen der staatlichen Transportleasinggesellschaft GTLK und dem 2. Archangelsker Luftgeschwader für die Lieferung der ersten drei Exemplare bis 2027 unterzeichnet.
Triebwerk für Be-200
Die Zertifizierung des PD-8-Triebwerks stand schon länger in Aussicht. Das Aggregat liefert acht Tonnen Startschub und soll künftig nicht nur im Superjet 100, sondern auch im Wasserflugzeug Be-200 verbaut werden. Auf dem Prüfstand und in der Luft kam das Triebwerk auf über 6500 Betriebsstunden.
Die Zertifizierung ist in jedem Fall ein Zeichen dafür, dass Russland den heimischen Flugzeugbau endlich auf Kurs zu bringen scheint. Alle zivilen Projekte hatten sich über die letzten zwölf Jahre mehrfach verzögert.
Problematisch ist das vor allem deshalb, weil die Versorgung abgelegener Regionen stark von der Regionalluftfahrt abhängt. Russische Fluggesellschaften, die seit dem Wegfall westlicher Flugzeuglieferungen unter akutem Flottenalterungsdruck stehen, dürften die ersten Erfolge der heimischen Industrie mit Erleichterung wahrnehmen.





