Immerhin 35 Minuten dauerte der erste Ausritt, bei dem Pilot Harry "D-Day" Daye die frisch aus dem Dornröschenschlaf erweckte F-4D mit der Seriennummer 65-0749 am späten Nachmittag 7. Juni nach sieben Jahren Standzeit wieder in den Himmel über Texas hob. Zwei Touch-and-go-Manöver inklusive. Es war der Lohn jahrelanger Arbeit zahlreicher freiwilliger Helfer aus den Reihen der Collings Foundation und des Vietnam War Flight Museum, in dessen Händen der Betrieb der Phantom liegt.
Die 1965 bei McDonnell Douglas gebaute Maschine ist mit diesem Flug die einzige F-4 weltweit im zivilen Luftfahrtregister – und besitzt selbst in den mit Jet-Warbirds nicht unbedingt bescheiden ausgestatteten USA ein Alleinstellungsmerkmal: Außer ihr fliegt kein einziges Exemplar mehr im Phantom-Geburtsland. Seit die US Air Force im Frühjahr 2017 die letzten QF-4-Zieldarsteller ausgemustert hat, machen sich die legendären "Eisenschweine" rar in den Staaten. International steht die Phantom heute nur noch in Griechenland, der Türkei sowie im Iran im Einsatz.
Teurer Jet-Warbird
Die Möglichkeit, eine F-4 als ziviles Flugzeug zu betreiben, musste sich die Collings Foundation nach eigener Auskunft vor gut einem Vierteljahrhundert hart erarbeiten. Politische – und finanzielle – Unterstützung waren dabei unerlässlich. Eine eigens vom Kongress beschlossene Änderung des National Defense Authorization Act schaffte 1999 die rechtliche Basis. Es blieben vielerlei regulatorische Hürden, bis die Vereinigung schließlich eine ausgemusterte F-4D erwerben und in mühseliger Arbeit und unter Nutzung zahlreicher Komponenten aus anderen Phantoms wieder flott machen konnte. Immerhin waren die bei der USAF ausgemusterten Phantoms jahrelang unter der Sonne Arizonas im Freien gestanden. Herzstück der Restaurierung waren seinerzeit zwei J79-Turbojets mit null Betriebsstunden, außerdem kamen "neue" Schleudersitze und zeitgemäße Avionik ins Cockpit. Ebenso wurde die komplette Hydraulik erneuert.
Die enormen Betriebskosten der Maschine führten allerdings dazu, dass die F-4D Zeit ihres zivilen Lebens nur sporadisch flog und auf Flugshows in den USA auftrat – und schließlich ganz am Boden blieb.
In illustrer Gesellschaft
Wie es nun für die Phantom weitergeht, wird sich zeigen. Die Collings Foundation hatte erst im März für Schlagzeilen gesorgt, als sie ihre – ebenfalls lange an den Boden gefesselte – F-100 Super Sabre wieder fliegen ließ. Überdies betreibt Collings noch eine MiG-17 – als historischen Gegenspieler der F-100.





