Patrick Zwerger
Mit der Antonow An-124 werden die sechs NH90 des Heeres aus Afghanistan zurückgebracht.
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Antonov Airlines fliegt weiter - mit fünf An-124

Trotz Krieg und Verwüstung Antonov Airlines fliegt weiter - mit fünf An-124

Das Flaggschiff ist zerstört, das Hauptquartier verwüstet, die Flotte dezimiert – doch ans Aufgeben denkt man bei Antonov Airlines in der Ukraine nicht. Fünf von sieben An-124 sind noch einsatzfähig – und stehen in Leipzig für neue Aufgaben bereit.

Die Bilanz, die sich am Antonow-Flughafen Kiew-Hostomel nach dem Abzug der russischen Truppen Ende März offenbarte, mutet niederschmetternd an. Flughafengebäude und Hangars sind durch Beschuss schwer beschädigt, der Tower zerstört, Büros leergeräumt und verwüstet. Der Superstar der Flotte von Antonov Airlines, die An-225 "Mrija", liegt in Trümmern, auch die als Support-Flugzeug genutzte An-74 und eine auf dem Vorfeld abgestellte An-26 sind komplett niedergebrannt. Mehrere andere Maschinen, die in Hostomel standen, wurden durch Kampfhandlungen ebenfalls stark verunstaltet. Darunter findet sich das "Turboprop-Monster" An-22 Antei, dessen Bug von MG-Salven durchsiebt ist und das außerdem drei klaffende Löcher im Rumpf besitzt. Ob die weltweit einzige An-22 in zivilen Diensten jemals wieder fliegen wird, ist äußerst fraglich.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Auch eine An-124, die gerade zur Wartung in Hostomel weilte, hat durch den Krieg schwere Schäden erlitten. Brandspuren und Beschuss zeichnen ein trauriges Bild des Spezialtransporters, der noch bis Ende Januar im täglichen Einsatz quer durch die Welt flog. Bei der Maschine mit dem Kennzeichen UR-82009 handelt es sich um eine An-124-100-150 – eine Variante mit auf 150 Tonnen erhöhter Nutzlast. 1987 gebaut, war der Vierstrahler nun zur falschen Zeit am falschen Ort – im Unterschied zur "Mrija", wegen deren möglicherweise versäumter Rettung bereits der Antonow-Generaldirektor Bytschkow vom Hof gejagt wurde, zum Zeitpunkt des russischen Angriffs aber definitiv nicht flugfähig. Über den Zustand einer weiteren An-124, die seit Mitte März 2021 auf dem Flugplatz des Antonow-Werks Kiew-Swjatoschyn parkt, ist nichts weiter bekannt.

Weiter, immer weiter

Bei all dem Chaos, mit dem sich Antonow und seine Werks-Airline derzeit auf zahlreichen Ebenen konfrontiert sehen, kommt eine Option allerdings nicht in Betracht: Aufgeben. Und so bietet Antonov Airlines dem Markt weiter ihre Dienste an – nur eben mit dezimierter Flotte und neuer Hauptbasis am Flughafen Leipzig-Halle.

Aktuell stehen fünf der sieben An-124 für Einsätze zur Verfügung. Die Flotte "wurde an den Flughafen Leipzig/Halle verlegt und führt weiterhin Charterflüge in der ganzen Welt durch", erklärte Antonov Airlines vergangene Woche auf Twitter. Dabei hätten allerdings "humanitäre Einsätze für die Menschen in der Ukraine" Vorrang. Tatsächlich sind die An-124 der Ukrainer seit Wochen Dauergäste auf dem ostpolnischen Flughafen Rzeszow nahe der ukrainischen Grenze. So lieferte am 30. März eine von der deutschen Spedition angemietete An-124 insgesamt 111 Tonnen Hilfsgüter für die Ukraine aus den Arabischen Emiraten nach Rzeszow. Ob die An-124 auch Waffen transportieren, dazu gibt es offiziell keine gesicherten Erkenntnisse.

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