Antonow-Generaldirektor Bytschkow ist seinen Job los Patrick Zwerger
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Wegen An-225: Antonow-Generaldirektor ist seinen Job los

Wegen Zerstörung der An-225 Antonow-Generaldirektor Bytschkow ist seinen Job los

Der ukrainische Staatskonzern Ukroboronprom hat den Generaldirektor des Flugzeugbauers Antonow vor die Tür gesetzt. Grund ist eine interne Untersuchung zum Verlust der An-225 "Mrija". Diese soll der Frage nachgehen: Hat das Antonow-Management versagt?

Zuerst hatte die ukrainische Ausgabe der Zeitung "Vesti" berichtet, nun erfolgte die offizielle Bestätigung des Industriekonzerns Ukroboronprom: Antonow-Chef Sergej Bytschkow muss mit sofortiger Wirkung seinen Posten räumen. Der Generaldirektor des ukrainischen Flugzeugherstellers, rechtlich eine Tochter von Ukroboronprom, wird seines Amtes enthoben, während parallel eine offizielle Untersuchung anläuft, die im Zusammenhang mit der Zerstörung des Frachtflugzeug-Unikats An-225 "Mrija" steht.

Patrick Zwerger
Bei Antonow und Antonov Airlines soll eine interne Untersuchung klarstellen, ob das Management den Verlust der An-225 mitzuverantworten hat.

Alle Warnungen ignoriert?

Die "Mrija" war Ende Februar bei Kampfhandlungen um den Antonow-Flughafen Kiew-Hostomel von Geschossen schwer getroffen worden und ist praktisch schrottreif – für Betreiberin Antonov Airlines, die Ukraine und die weltweite Luftfracht-Branche ein äußerst schwerwiegender Verlust. In den vergangenen Wochen stand das Antonow-Management deshalb öffentlich in der Kritik. Der zwischenzeitlich beurlaubte "Mrija"-Chefpilot Dimitri Antonow warf der Unternehmensleitung in einem Video auf seinem Youtube-Kanal vor, Warnungen der NATO und von Mitarbeitern der deutschen Tochtergesellschaft Antonov Logistics SALIS über einen möglichen Angriff Russlands auf die Ukraine nicht ernst genommen zu haben. Man habe Antonov Airlines bereits am 26. Januar nahegelegt, alle Flugzeuge, sowie Crews und Ersatzteile vorübergehend nach Leipzig zu überführen, so Dimitri Antonow im Video. Die Chefetage habe diese Warnungen und Vorschläge aber fahrlässig ignoriert und auch später keine rechtzeitige Entscheidung getroffen, die An-225 und andere Maschinen auszufliegen.

"Mrija" zwischen den Fronten

Antonow-Mitarbeiter hatten diese Anschuldigungen ihres Kollegen in einem offenen Brief gekontert. Dem Wortlaut des Schreibens zufolge hätte die "Mrija" am 24. Februar, also am Tag des russischen Angriffs, aus Hostomel weggebracht werden sollen. Die sechsstrahlige Maschine sei aufgrund von Wartungsarbeiten nicht flugbereit gewesen, Techniker hätten bis zuletzt versucht, sie wieder in flugtüchtigen Zustand zu versetzen. Die russische Invasion, und speziell die Attacke auf den Flughafen Hostomel, habe letztlich jedoch alle Fluchtmöglichkeiten vereitelt.

Was im Anschluss bei den Kampfhandlungen um den Airport genau geschah, ist noch nicht hinlänglich geklärt. Möglich ist, dass die in ihrem Shelter geparkte "Mrija" zwischen die Fronten geriet und von ukrainischer Artillerie getroffen wurde – beim Versuch, das unter russischer Kontrolle stehende Gelände zurückzuerobern. Unterm Strich ist der genaue Ablauf der Ereignisse ab dem 24. Februar jedoch wenig relevant. Die nun angekündigte Untersuchung dürfte sich daher vor allem mit den Geschehnissen in den Tagen davor befassen – und damit, ob der verhängnisvolle Aufenthalt der An-225 in Hostomel zum Zeitpunkt des Angriffs nicht doch vermeidbar gewesen wäre.

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