Verzögert China Airbus-Abnahmen, um seine C919 schneller EASA-zugelassen zu bekommen?

Verspätete Flugzeugabnahmen als Druckmittel?
China lässt Airbus schmoren

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.05.2026
Als Favorit speichern
COMAC C919 Singapore Airshow im Flug
Foto: Zhang Hui/VCG via Getty Images

Die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters meldeten den Sachverhalt am Mittwoch. Demnach habe Airbus bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen eingeräumt, dass Chinas Luftfahrtbehörde CAAC die Zulassung von rund 20 Airbus-Flugzeugen schon monatelang herauszögere. Finanzvorstand Thomas Töpfer habe den Wert dieses nicht ausgelieferten "Inventars" mit rund fünf Milliarden Euro beziffert. Bloomberg vermutet, dass China die Flugzeuge als Faustpfand nutzen möchte, um eine schnellere Zulassung des eigenen Verkehrsflugzeugs COMAC C919 durch die EASA zu bewirken. Der in China bereits im täglichen Einsatz befindliche, moderne Zweistrahler zielt auch auf westliche Märkte und braucht dafür, neben der bereits vorhandenen chinesischen Zulassung, westliche FAA- und EASA-Zulassungen.

Die EASA hatte zu Jahresbeginn mit eigenen Testpiloten Erprobungsflüge mit der C919 in Schanghai aufgenommen. EASA-Exekutivdirektor Florian Guillermet hatte allerdings zuvor eine längere, drei- bis sechsjährige Prüfungsdauer in Aussicht gestellt. Die europäische Luftfahrtbehörde muss die Konstruktionsprinzipien, die Systeme, die Fertigungsmethoden und die Zuverlässigkeit eines Flugzeugs bewerten und die Übereinstimmung mit den EASA-Zulassungsvorschriften prüfen. Dabei entscheidet sie ausdrücklich unabhängig von politischem Einfluss nach rein technischen Kriterien. Bei Flugzeugprogrammen in den USA und Europa besteht inzwischen eine enge Zusammenarbeit der Zulassungsbehörden FAA und EASA. Die jeweils ortsansässige Behörde übernimmt die Führung, die "Gastbehörde" stellt bei Bedarf jederzeit zusätzlich eigene Rückfragen und entscheidet am Ende eigenständig, ob sie das Flugzeugmuster zulässt.

Die jetzt strittige C919 ist Chinas erste, moderne Verkehrsflugzeug-Eigenentwicklung, die auch auf den Exportmarkt zielt. In China werden bereits Flugzeuge der A320neo-Familie nach EASA-Regeln gebaut, mit aus China zugelieferten Flügeln, die am Ende eine EASA-Zulassung erhalten. Dazu betreibt Airbus in Tianjin mit chinesischen Partnern ein eigenes A320-Endmontagewerk. Wie kompliziert das Thema Flugzeugzulassung aber ist, sah man zuvor am chinesischen Regionaljet COMAC C909. Das ursprünglich ARJ21 genannte Flugzeug basierte auf der bewährten westlichen Zelle der MD-90 von McDonnell-Douglas, die mit einem neuen Flügel, den Chinas östlicher Partner Russland seinerzeit bei Antonow in der Ukraine nach russischen Standards entwickeln ließ, und westlichen CF-34-10-Triebwerken von General Electric kombiniert wurde. China gab das Ziel einer westlichen Zulassung schließlich auf, nachdem die dafür nötigen Zulassungsnachweise aus Ost und West wegen uneinheitlicher Dokumentationsarten nicht komplett erbracht werden konnten. Das Flugzeug wird aber in Serie produziert und fliegt in China im regulären Einsatz.