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Mehrere Flughäfen sollen an einem zentralen Ort durch einen oder mehrere Lotsen gesteuert werden. DLR (CC-BY 3.0)

Simulation zum ferngesteuerten Flughafen

Kann ein Fluglotse mehrere Flughäfen überwachen?

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testet in einer Simulation in Braunschweig die Fernüberwachung mehrerer kleiner Flughäfen an einem zentralen Ort. Damit soll die Arbeitslast eines Fluglotsen gebündelt und der Betrieb für die Flughäfen kostengünstiger werden.

Die Fernsteuerung eines Flughafens von einem Kontrollturm in einer anderen Stadt oder einem anderen Landesteil ist keine Neuigkeit mehr. Dieses Konzept wird sowohl in Schweden als auch in Deutschland bereits an zwei Flughäfen angewendet.

Neu hingegen ist die Idee, gleich mehrere Flughäfen durch einen einzigen Lotsen kontrollieren zu lassen, der sich nicht vor Ort befindet. Dies soll je nach Auslastung des Flugplatzes auf einen oder mehrere Lotsen aufgeteilt werden können. Dazu hat das DLR unter Leitung seines Instituts für Flugführung in Braunschweig Simulationsversuche durchgeführt.

Flexible Überwachung je nach Auslastung möglich

Die Vorteile einer Fernüberwachung kleiner Flughäfen liegen auf der Hand: Wartungs- und Betriebskosten reduzieren sich, bei schlechten Sichtbedingungen hilft moderne Kameratechnik. Um das sogenannte Remote-Tower-Konzept vollständig nutzen zu können, sollten Zentren zur Überwachung an mehr als einen Flughafen angeschlossen sein. Nach Angaben des DLR würde dieses Konzept eine effizientere Zuordnung von Flughäfen an die Lotsen ermöglich. Das bedeutet, dass ein Fluglotse flexibel an den Airports arbeitet, an den auch tatsächlich Flugbewegungen stattfinden. In wenig intensiven Verkehrssituationen kann so ein Fluglotse zwei, drei oder mehr Flughäfen überwachen. Umgekehrt besteht bei komplexen Verkehrssituationen die Möglichkeit, einen Flughafen von mehreren Lotsen steuern zu lassen.

Konzept rechnet sich für kleinere Flughäfen

Besonders für kleinere Flughäfen könnte das Konzept durchaus attraktiv sein, erklärt Jörn Jakobi vom DLR-Institut für Flugführung: „Kleine und regionale Flughäfen stehen vor der Herausforderung, die hohen Kosten für den Betrieb eines leistungsfähigen Flugsicherungsturms mit den niedrigen Einnahmen aus der Landung und anderen flugbezogenen Gebühren in Einklang zu bringen, wenn der Verkehrsdurchsatz knapp und nur zeitweilig ist. Die gesammelte Überwachung mehrerer Flughäfen bietet die Chance für die kleinen, kostengünstig bestehen zu können.“

Jedoch sind weiterführende Fragen noch nicht abschließend geklärt. Um Antworten zu bekommen, ob und unter welchen Bedingungen Fluglotsen mehr als einen Flughafen gleichzeitigführen können, forschen seit 2016 37 internationale Partner im Rahmen des Eu-Forschungsprogramms Horizon 2020 an Lösungen. Dazu fanden zwischen November 2017 und Dezember 2018 vier Simulationsversuche statt, bei denen jeweils ein Lotse für den Verkehr auf bis zu drei Flughäfen zuständig war. Das gab das DLR am 7. März bekannt.

Lotsen mit Simulationsversuchen zufrieden

Um Über- oder Unterforderung der Lotsen bei Szenarien wie verschiedenen Wetterbedingungen, Richtungsänderungen, Start- oder Landebahninspektionen und Notsituationen zu vermeiden, wurde das neue Verfahren entwickelt und in den Simulationsversuchen getestet: Flughäfen konnten zwischen verschiedenen Arbeitspositionen aufgeteilt oder zusammengeführt werden. Nach Angaben der Lotsen sei diese Arbeitsmöglichkeit wahrscheinlich gut geeignet, Stresssituationen durch Unter- oder Überlast abzufangen. Die Einarbeitung in das Konzept sei schnell und einfach erfolgt. Positiv wurde hervorgehoben, dass die Lotsen während der Simulation in keine einzige sicherheitskritische Situation gerieten. Sie hätten sich zuversichtlich gezeigt, dass das „Multiple Remote Tower“-Konzept zukünftig eine gute Arbeitsumgebung bieten könnte.

Realbetrieb mit ersten ferngesteuerten Flughäfen läuft bereits

Die Idee eines „virtuellen“ Kontrollturms wurde 2002 vom DLR erstmals vorgestellt und ab 2005 getestet. Im Jahr 2014 nahm die erste Remote-Tower-Installation ihren Betrieb auf. Ferngesteuert wurde der schwedische Flughafen Örnsköldsvik von Sundsvall aus.

Die deutsche Flugsicherung entschied sich für eine Fernsteuerung der Flughäfen Saarbrücken, Erfurt und Dresden durch einen Remote Tower Control in Leipzig. Nach erfolgreich abgeschlossenen Tests wird der Flughafen Saarbrücken seit Dezember 2018 von Leipzig aus kontrolliert. Die Flughäfen Erfurt und Dresden sollen in den nächsten Jahren folgen.

Kameras helfen bei der ganzheitlichen Videoerfassung der Situation vor Ort.
DLR (CC-BY 3.0)
Kameras helfen bei der ganzheitlichen Videoerfassung der Situation vor Ort.
Zivil Zivil Kameraüberwachung aus der Ferne Towerlotsen von Saarbrücken sitzen in Leipzig

Die Towerlotsen der DFS kontrollieren seit Dienstag den Flughafen...

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