Crash bei Airshow: Verunglückte OV-10B Bronco bleibt in Polen

Letzte Ruhe nach Airshow-Crash
Verunglückte OV-10B Bronco bleibt in Polen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.06.2026
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OV-10B Bronco nach Landeunfall in Leszno.
Foto: Flugplatz Leszno

Genau die Bronco, die beim Hahnweide-Oldtimertreffen in Kirchheim-Teck 2025 noch für Staunen sorgte, ist am 19. Juni im polnischen Leszno verunglückt. Dem Portal Aviation Safety Network zufolge ereignete sich der Unfall während der finalen Proben für die Antidotum Airshow, die am vergangenen Wochenende auf dem Flugplatz Leszno-Strzyzewice (EPLS) stattfand. Die Bronco landete aus noch ungeklärten Gründen mit eingefahrenem Fahrwerk und erlitt dabei erhebliche Schäden. Der Pilot wurde sicherheitshalber ins Krankenhaus gebracht, kam glücklicherweise aber glimpflich davon.

Klar war bereits kurz nach dem Crash: Die OV-10B Bronco mit dem Kennzeichen F-AZKM wird wohl nie mehr abheben. Zu schwer wiegen die strukturellen Schäden an der markanten Turboprop-Zweimot, als dass sich diese mit vertretbarem Aufwand reparieren ließen.

Was genau mit der verunfallten Maschine geschehen sollte, blieb aber zunächst offen. Bis der Flugplatz Leszno am Dienstagabend über die sozialen Medien bekanntgab, dass man die Bronco dauerhaft in Leszno lasse – "als Erinnerung an die einzigartige Geschichte des Flughafens und der Flugshows", wie es in der Stellungnahme heißt.

Helfer für Wiederaufbau gesucht

Der Plan sieht demnach vor, das "äußere Erscheinungsbild" der OV-10B wieder auf Vordermann zu bringen – durch die Reparatur der Außenhaut, einen neuen Anstrich und "die Gestaltung eines repräsentativen Aussehens, das einem zukünftigen Ausstellungsstück würdig ist."

Dafür suchen die Verantwortlichen ausdrücklich noch helfende Hände: "Wir möchten, dass das Flugzeug auch weiterhin den Einwohnern und Luftfahrtbegeisterten Freude bereitet und suchen daher eine Person, ein Team oder ein Unternehmen, das die optische Restaurierung des Flugzeugs übernimmt."

Im Gegenzug biete man umfassende organisatorische Unterstützung für die anstehenden Arbeiten, mit dem Ziel, "dass es uns gemeinsam gelingt, dieses außergewöhnliche Flugzeug für künftige Generationen von Besuchern in Leszno zu erhalten."

Wer Erfahrung mit der Restaurierung von Flugzeugen oder Oldtimern, mit Karosserie- und Lackierarbeiten besitzt oder sich unabhängig davon einfach gerne an dem Wiederaufbau der Bronco beteiligen möchte, kann sich laut Mitteilung aus Leszno unter antidotum@lotniskoleszno.pl per Email an die Organisatoren wenden.

Bruchgelandete Bronco auf Anhänger
Patrick Hoeveler

Aufklärer und Forward Air Controller

Die OV-10B Bronco entstand Mitte der 1960er Jahre aus der Erkenntnis, dass den Bird Dogs und Skymasters, beide aus zivilen Cessna-Mustern entwickelte Aufklärungs- und Unterstützungsflugzeuge, im Koreakrieg ihre Grenzen aufgezeigt wurden. Stattdessen verlangte die Truppe nach einem leichten bewaffneten Muster, das sich für Aufklärung, Aufstandsbekämpfung, Luftnahunterstützung und Transporteinsätze eignen und dabei Vorteile von Hubschraubern und Flugzeugen bieten sollte. Eine Geschwindigkeit von bis zu 560 km/h war ebenso gefordert wie eine stark belastbare Zelle für Manöver unter hohen g-Lasten sowie Kurzstart- und -Landefähigkeit.

Der Erstflug der Bronco – der Name steht für ein bockendes Pferd und wurde dem Flugzeug von Crews verpasst, die es übertrieben hatten und von den mitunter kapriziösen Reaktionen der OV-10 überrascht worden waren – erfolgte im Juli 1965. Bis 1976 wurden gut 350 Exemplare produziert und von den USA und verschiedenen anderen Armeen, auch der Bundeswehr, eingesetzt. Die letzten Broncos flogen bis 2025 für die philippinische Luftwaffe.

Patrick Holland-Moritz

Crash-Bronco flog einst für die Luftwaffe

Die F-AZKM, die in Leszno verunglückte, stand bei der Bundeswehr als Zielschleppflugzeug im Dienst und trug seinerzeit zur Erhöhung der Geschwindigkeit ein zusätzliches Turbojet-Triebwerk auf dem Rumpfrücken. Nach seiner Ausmusterung kam das Flugzeug über eine Städtepartnerschaft ins französische Montelimar zur Sammlung des European Fighter Museum, von wo aus es seit 1997 immer wieder zu Airshows aufbrach, zumeist pilotiert von Jean-Luc "Chuck" Beyrie, der auch beim verhängnisvollen letzten Flug in Leszno am Steuer saß.

"Was die Display-Flüge angeht, ist sie sehr einfach zu fliegen, da sie überaus wendig ist", sagte Beyrie einst dem Onlineportal European Airshows. "Man sollte sich aber auf schräge und horizontale Flugmanöver beschränken, denn sobald man einen klassischen Loop in der Vertikalen fliegt, verliert die Bronco viel Energie, die man aufgrund des Flügelprofils nur schwer wieder zurückgewinnt."