Deutschland-Premiere des Kriegsepos Devotion
Gegen diese Corsair-Piloten kann Maverick einpacken

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Netflix bringt den Film über die Freundschaft zweier Piloten im Koreakrieg endlich auch nach Deutschland. Allein wegen seiner Flugszenen ist er für Luftfahrtfans ein Muss.

Gegen diese Corsair-Piloten kann Maverick einpacken
Foto: Sony Pictures

Sie waren begeistert von Top Gun Maverick? Der Blockbuster des vergangenen Jahres war zurecht ein Kassenschlager, doch für die deutschen Fans von Streifen mit heldenhaften Piloten und actiongeladenen Flugszenen gibt es mit "Devotion" schon wieder einen Leckerbissen.

Verständlich, dass der zweite Fliegerfilm des Jahres 2022 sich bislang schwer tat, aus dem Schatten des Blockbusters zu treten. Dabei hat "Devotion", das Kriegsepos einer Pilotenfreundschaft während des Korea-Kriegs, "Top Gun: Maverick" sogar eines voraus: Statt einer fiktionalen Story erzählt der Film eine wahre Begebenheit.

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Heldenmedaille für Rettungsversuch

"Devotion" ist die Geschichte des dramatischen Rettungsversuchs von Fähnrich Jesse Leroy Brown, einem F4U-Corsair-Piloten der U.S. Navy, der während des Korea-Konflikts 1950 vom Flugzeugträger USS Leyte aus flog. Nach 20 erfolgreichen Kampfeinsätzen über Korea wurde Fähnrich Brown am 4. Dezember 1950 abgeschossen. Eine Kugel hatte die Spritleitung seines R-2800-Sternmotors durchtrennt, der Corsair-Pilot stürzte in unwegsamem Gelände ab. Um seinem eingeklemmten Kameraden zu Hilfe zu kommen, landet Browns Flügelmann, U.S. Navy Capt. Thomas Jerome Hudner Jr., seine eigene F4U Corsair mit eingefahrenem Fahrwerk im Tiefschnee neben dem Wrack. Vergebens, Brown überlebt den Abschuss nicht. Capt. Hudner wird schließlich für seinen Versuch, Brown zu retten, mit der "Medal of Honor", der höchsten Auszeichnung des US-Militärs für Tapferkeit, ausgezeichnet.

Brown war der erste afroamerikanische Navy-Pilot der USA, und der erste, der Kampfeinsätze flog. Der auf Adam Makos Buch "Devotion: An Epic Story of Heroism, Friendship and Sacrifice" basierende Film beschreibt die Beziehung zwischen ihm und seinem Kameraden und Freund Hudner. Ihre Freundschaft und Opferbereitschaft machen sie schließlich zu den berühmtesten Flügelmännern der Marine.

Glen Powell ist die offensichtlichste Verbindung zwischen "Devotion" und dem viel bekannteren Fliegerfilm "Top Gun: Maverick". Vergessen Sie den übermütigen jungen Fliegerleutnant Jake "Hangman" Seresin, den der Schauspieler in "Top Gun: Maverick" spielt. In "Devotion" verkörpert Powell den viel besonneneren Ehrenmedaillenträger Lt. Thomas Hudner, neben Jonathan Majors als Jesse Brown.

Jonathan Majors (Pending);Glen Powell (Pending)
Sony Pictures
"Devotion" beschreibt die Freundschaft zweier Piloten im Koreakrieg

Doch der Film hat noch viel mehr mit "Top Gun Maverick" gemeinsam: Für die Flugszenen setzt Regisseur JD Dillard, dessen Vater in den frühen 1990ern ein Mitglied der Blue-Angels-Staffel war und ihm beratend zur Seite stand, Techniken ein, wie sie schon bei dem Blockbuster verwendet wurden. So oft wie möglich verzichtet das Team dabei auf Computeranimation. Nur manchmal kann Hollywood sich nicht zurückhalten, dann finden sich Szenen, in denen gleich zwanzig Warbirds zum Sturzangriff auf ihr Ziel gehen – auch wenn weder Anzahl der Flugzeuge noch eine derartige Taktik im echten Einsatz je so stattgefunden haben. Das bestätigt auch die U.S. Navy, die in die Produktion von "Devotion" eng einbezogen war.

Für die sechs im Film verwendeten Warbirds zapfte Sony gleich mehrer Quellen an, die flugfähige Exemplare in ihren Hangars stehen hatten: Die Jack Erickson Warbird Collection stellte ihre F4U-7 und AD-4W Skyraider zur Verfügung. Planes of Fame schickte seine F4U-1, F8F-2 Bearcat und MiG-15. Comanche Aviation steuerte seine F4U-4 und F8F-2 bei. Die FG-1D der Commemorative Air Force war von der AirBase Georgia aus zu sehen. Ebenso wie die Sea Fury von Lewis Air Legends und die äußerst seltene Sikorsky HO5S-1 von Anduze Helicopters.

Gedreht wurde in den verschneiten Bergen des Kaskadengebirges im US-Bundesstaat Washington. Minustemperaturen, Schnee und Eis, wie seinerzeit in Korea – heute eine herausfordernde Umgebung für die mittlerweile über sieben Jahrzehnte alten und millionenteuren Warbirds. Hauptdrehort war allerdings Savannah, Georgia, an der US-Ostküste. Für die Flugzeugträger-Szenen baute das Filmteam dort ein Mockup der USS Leyte auf – realistischen können Trägerlandungen kaum sein.

Militärjet als Kameraschiff

Kevin LaRosa II hatte bereits an "Top Gun: Maverick" mitgearbeitet, bei "Devotion" übernahm er die Aufgabe des Koordinators für Flugszenen. "Wenn wir Regisseure wie JD Dillard haben, die sagen: 'Ich will, dass alles echt ist, ich will realistische Flugzeuge und ich will echtes Fliegen', dann ist das Musik in meinen Ohren." Als Chef-Kamerapilotpilot flog LaRosa das Flugzeug, das die beeindruckenden Air-to-air-Bilder in "Devotion" überhaupt möglich machte: Der CineJet ist eine modifizierte L-39 Albatros und mit einer kardanisch aufgehängten Kamera an der Rumpfspitze ausgestattet. Für "Devotion" bekam der Militär-Jettrainer noch eine zusätzliche Kamera über den Triebwerkseinlässen montiert.

Auch die F4U-1 und die FG-1D hatten Einsätze als Fotoflugzeuge mit externen Kameras. Sie wurden so gefilmt , dass die Merkmale ihrer Flugzeugzellen, die sie als Versionen des Jägers aus dem Zweiten Weltkrieg ausweisen, nicht zu sehen sind.

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Der Aufwand klingt absurd. Dennoch betrug das Budget für "Devotion" nur einen Bruchteil der 170 Millionen US-Dollar, die "Top Gun: Maverick" gekostet hat. Von seinen 90 Millionen Dollar Kosten hatte Devotion in den USA allerdings gerade einmal 21 Millionen Dollar an den Kinokassen eingespielt. Wohl deswegen hat Sony den Film gar nicht erst in deutsche Kinos gebracht. Hierzulande braucht es ein Abonnement des Streaming-Dienstes Netflix. Dort ist Devotion ab dem 20. Januar zu sehen. Und Sie können es glauben: Allein für "Devotion" lohnt sich das.

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