Ein kurzes Hüsteln, ein paar Flammen, eine Rauchwolke – und dann schnurrt sie auch schon wie ein Kätzchen. Oder doch eher wie etwas Größeres, denn auch wenn die einzige Fw 190 der Türkei keinen originalen BMW 801 mehr besitzt, sondern ihre Kraft aus einem ASch-82-Doppelsternmotor mit 14 Töpfen schöpft, betört sie Außenstehende mit dem vollmundigen Brabbeln eines kraftstrotzenden Ungetüms, das nur darauf wartet, dass man es endlich von der Leine lässt.
Nach rund anderthalb Jahren Restaurierung steht dieser große Moment wohl demnächst an – auch wenn der Vater des Projekts, Ali Ismet Öztürk, und seine Vertrauten bislang kein konkretes Datum für einen geplanten Jungfernflug kommunizieren.
Am 21. Juni jedenfalls ließ Ali Öztürk auf dem Gelände seines MSÖ Air & Space Museum in der Provinz Eskişehir zum ersten Mal den Motor seiner prominenten Neuerwerbung laufen – fast acht Jahrzehnte, nachdem die türkischen Luftstreitkräfte ihre letzten Focke Wulf Fw 190 aus dem Inventar entfernte. Zwischen 1942 und 1943 hatten die Türken 72 Exemplare des legendären deutschen Jagdflugzeugs erhalten, das bei der deutschen Luftwaffe den Spitznamen "Würger" trug – in Anlehnung an die gleichnamige Raubvogelart, die ihre Beuteopfer auf Dornen aufspießt.
"Unendlicher Dank" für Restaurateure
Öztürk richtete im Nachgang des erfolgreichen Motortestlaufs "unendlichen Dank" an alle Beteiligten der mit dem Neuaufbau betrauten Firma Mach Aviation aus, die auf dem langen Weg des Wiederaufbaus der Fw 190 "Mut und Beharrlichkeit" gezeigt hätten – und die nun offenbar kurz davor stehen, in Form des anstehenden Erstflugs die Früchte ihrer harten Arbeit zu ernten.

Die fast fertig aufgebaute türkische Fw 190 Anfang Mai - mit frischem Lack, aber noch ohne Propeller.
Fw 190 über Frankreich abgeschossen
Die Geburtsstunde des "anatolischen Würgers" von Eskişehir, zünftig schwarz lackiert und mit den quadratischen rot-weißen Hoheitszeichen der türkischen Luftwaffe von einst versehen, liegt mehr als 83 Jahre zurück. Am 9. März 1943 verließ die Fw 190 mit der Seriennummer 1134 die Weser-Flugzeugwerke in Bremen. Man nimmt an, dass sie schon kurz darauf, im Jahr 1944, in Nordfrankreich einer US-amerikanischen P-51 Mustang zum Opfer fiel und abgeschossen wurde.
Das Wrack verblieb bis zum Jahr 2000 in Nordfrankreich. Dann kaufte der kalifornische Sammler Dan Kirkland die Überreste des als Fw 190 A5 gebauten Jägers. Die Substanz für eine Restaurierung erwies sich rasch als schlecht. Somit griffen die von Kirkland mit der Aufgabe betrauten Experten von GossHawk Unlimited in Casa Grande auf einen Flug Werk-Bausatz zurück und begannen mit dem Aufbau einer gründlich überarbeiteten Version des Kits.

Kurz nach seiner Ankunft in der Türkei 2025 präsentierte sich der "schwarze Würger" noch in diesem Zustand.
Flugzeug vom Pech verfolgt
Nach elfjähriger Arbeit war die Focke-Wulf 190 A5 mit einigen von der deutschen Firma FlugWerk bereitgestellten A8-Teilen tatsächlich wieder flugtauglich.
Doch leider blieb die zu neuem Leben erweckte und wieder in den Farben der Luftwaffe lackierte Fw 190 vom Pech verfolgt: Nach einigen unglücklichen Bodenunfällen rottete sie lange Zeit in einem Hangar in Arizona vor sich hin – bis 2025 Ali Ismet Öztürk auf den Plan trat, sie für das von ihm geführte und gegründete MSÖ-Museum erwarb, in die Türkei verschiffen ließ und schließlich Mach Aviation mit dem abermaligen Neuaufbau beauftragte.
Bleibt zu hoffen, dass die Pechsträhne des Flugzeugs mit der Übersiedlung in die Türkei ein Ende hat – und der "schwarze Würger" Anatoliens nach seinem baldigen Erstflug noch viele Jahre am Himmel präsent sein kann.





