Kampferprobte Drohnen aus Israel: Bundeswehr zeigt Interesse

Auch die Bundeswehr zeigt Interesse
Kampferprobte Drohnentechnik aus Israel

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.05.2026
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In der Produktionshalle von Elbit Systems an einem Ort in Israel, den wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen dürfen, ist es ruhig und hell. Mitarbeiter bauen an diesem Tag Ende Januar konzentriert MALE-Drohnen (Medium Altitude, Long Endurance) vom Typ Hermes 900 zusammen. Darauf sind Flaggen unterschiedlicher Länder zu sehen. Das unbemannte Luftfahrzeug (UAV) ist nicht nur bei der israelischen Armee (IDF) im Einsatz, sondern bei militärischen Kunden rund um den Globus. Für die Schweiz wurde sogar in langwieriger und diffiziler Arbeit mit vielen technischen Problemen eine zivil zugelassene Version namens Starliner entwickelt – nach Unternehmensangaben das einzige UAV weltweit, das für Flüge im zivilen Luftraum zertifiziert ist.

Hermes 900 ist die größte Drohne im Portfolio des israelischen Rüstungsunternehmens. Das aus Composite-Materialien gefertigte Luftfahrzeug ist acht Meter lang und hat eine Spannweite von wahlweise 15 oder 17 Metern. Die Drohne hat eine Reichweite von rund 1500 Kilometern bzw. maximal 24 Stunden Flugzeit mit bis zu 350 Kilogramm Nutzlast. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei gut 9000 Metern. Ein österreichischer Rotax treibt eine Pusher-Luftschraube im Heck an. Man nutze für die großen Drohnen Rotax 912, 914 und 916, sagt ein Unternehmensvertreter. Nur der Starliner für die Schweiz hat einen Continental-Motor und fliegt mit Jet-A1. Die maxi-male Startmasse der Hermes 900 beträgt etwas mehr als eine Tonne. An ei-ner Fertigungsstation in der Halle ist der 2,5 Meter große Payload-Schacht gut zu sehen. Er ermöglicht es, Nutzlasten innerhalb von 30 Minuten zu tauschen.

Rendering der Hermes 900 Militärdrohne von Elbit Systems
Elbit Systems

Kleiner und Günstiger

Ein paar Meter weiter, um die Ecke, geschützt vor allzu neugierigen Blicken, steht das jüngste Fluggerät von Elbit Systems: die Hermes 650. Sie soll in den nächsten Jahren sukzessive die von der IDF seit mehr als 25 Jahren intensiv und zahlreich genutzte kleinere Hermes 450 ersetzen. Die Hermes 650 ist das erste UAV von Elbit Systems mit Zugpropeller. Für die Hermes 450 hat das Unternehmen noch selbst einen leichten und kleinen, rund 51 kW (70 PS) starken Wankelmotor entwickelt. Bei der Hermes 650 setzt man auf einen Rotax-Vierzylinder-Boxermotor. Das neue UAV soll die besten Eigenschaften von Hermes 450 – kompakte Größe und Kosteneffizienz – mit der größeren Nutzlastkapazität der Hermes 900 vereinen. 260 Kilogramm Nutzlast soll sie tragen können und rund 80 Prozent der Fähigkeiten der Hermes 900 mitbringen. Dabei ist sie einfacher konstruiert, verfügt beispielsweise über ein festes Fahrwerk und ein konventionelles T-Leitwerk. Elbit Systems sieht in Deutschland ein Vakuum zwischen Drohnen in der Klasse um die fünf Tonnen und unter 100 Kilogramm – und schlägt mit der Hermes 650 auch gleich die passende Lösung vor. Diese Kategorie biete die Möglichkeit, mehrere Nutzlasten zu tragen und sei deutlich günstiger als die großen MALEs. Damit sei eine robuste Flottengröße erreichbar, um auch Verluste zu verkraften. Die Hermes 650 hat eine maximale Startmasse von 650 Kilogramm, kann bis zu 24 Stunden fliegen und erreicht eine Dienstgipfelhöhe von 6700 Metern. Zu den möglichen Nutzlasten gehören der multispektrale elektrooptische Sensorkopf Spectro XR, SIGINT, Seeraumüberwachungsradar sowie abwerfbare Rettungsinseln.

Abseits der Produktion der Hermes-Drohnen entstehen in einem Raum SkyStriker für die Entwicklungsabteilung. Sie sind deutlich kleiner und für einen anderen Einsatzzweck gedacht als die Hermes-UAV. SkyStriker ist keine Drohne, sondern eine autonome "Loitering Munition" (herumlungernde Munition, umgangssprachlich auch als Kamikazedrohne bezeichnet). Loitering Munition kann längere Zeit über einem Ziel kreisen und aufklären, bevor sie selbstständig angreift. Nach Angaben von Elbit Systems ist aber immer ein Mensch in den Prozess eingebunden. Angriffe könnten auch noch wenige Meter vom Ziel entfernt abgebrochen werden. Dann kann der SkyStriker zurückfliegen, per Fallschirm landen und wiederverwendet werden. Diese Eigenschaft macht ihn auch für Übungen interessant.

Kamikazedrohne Skystriker Block 4 von Elbit Systems im Flug
Elbit Systems

Chancen für den Skystriker

Die Bundeswehr, die diese Art von Waffen auf ihrer Website als "Gamechanger auf dem Gefechtsfeld" bezeichnet, hat im Februar und März den deutschen Unternehmen Helsing, Stark und Rheinmetall Aufträge für Loitering Munition erteilt. Doch auch der SkyStriker scheint noch im Rennen für einen weiteren Auftrag zu sein. Zumindest fand sich die Loitering Munition von Elbit Systems im vergangenen Herbst auf einer Wunschliste der Bundeswehr, über die Politico und Correctiv berichteten.

SkyStriker verfügt über einen Elektromotor, der einen Druckpropeller antreibt. Damit ist er leise, aber die Herausforderung liegt darin, kurz vor dem Einschlag ins Ziel eine hohe Endgeschwindigkeit (bis zu 130 m/s) zu erreichen. Das maximale Startgewicht des SkyStriker liegt bei 50 Kilogramm, er kann einen Fünf- oder Zehn-Kilogramm-Sprengkopf tragen, aber auch andere Nutzlasten (SIGINT, Radar-Jammer). Er verfügt über einen automatischen Videotracker, der das Ziel Tag und Nacht erfassen kann. Die Reichweite liegt bei bis zu 250 Kilometern ohne direkte Sichtverbindung (Beyond line-of-sight via Satellitenkommunikation). SkyStriker kann bis zu 140 Minuten fliegen. Zum SkyStriker gehören neben der fliegenden Plattform, dem Gefechtskopf und dem von Elbit Systems selbst entwickelten elektrooptischen Sucher auch eine Bodenkontrollstation, eine Antenne und eine Abschussvorrichtung. Dies kann ein Katapult sein, aber beispielsweise auch der PULS-Raketenwerfer von Elbit Systems. Das Raketenartilleriesystem wird zusammen mit KNDS für den europäischen Markt als EuroPULSE bzw. MARS 3 angeboten. Auch die Bundeswehr zählt zu den Kunden.