In den russischen Netzwerken MAX und Telegram kursieren derzeit Videoaufnahmen, die erstmals die neue Il-78MK-90A öffentlich zeigen. Russischen Insiderquellen zufolge soll es sich dabei um eine Maschine für den Export handeln, offiziell bestätigt wurde der Käufer bislang jedoch nicht.
Die Il-78MK-90A basiert wie alle Il-78 auf dem Rumpf des Militärtransporters Il-76MD, speziell auf der modernisierten Il-76MD-90A. Mit einem maximalen Startgewicht von rund 210 Tonnen kann die Maschine je nach Einsatzprofil über 70 Tonnen Treibstoff mitführen.
Über drei Betankungspunkte lässt sich entweder ein großes Flugzeug oder gleichzeitig zwei kleinere Kampfjets versorgen; am Boden kann der Tanker als mobile Tankstelle bis zu vier Maschinen gleichzeitig betanken. Das russische Verteidigungsministerium hatte 2020 den ersten Serienauftrag über zehn Maschinen erteilt.
China hat einen eigenen Tanker
Einige Medienberichte brachten die Maschine mit einem angeblichen Großauftrag über 20 Tankflugzeuge für China in Verbindung. Branchenkenner hegen allerdings Zweifel an einem Auftrag aus China.
Unabhängig davon berichtete das russische Portal "Voennaya Khronika" unter Berufung auf eigene Quellen, Peking ziehe tatsächlich den Kauf von rund 20 Il-78MK-90A in Erwägung, mit möglichen Lieferungen in den Jahren 2027 und 2028.
China hat mit der YY-20A ein eigenes modernes Tanker-Muster und ist demnach nicht auf den russischen Import angewiesen. Theoretisch wäre denkbar, dass die russischen Tanker als Übergangslösung dienen sollen, bis ausreichend YY-20A ausgeliefert worden sind – dem steht allerdings die notorisch niedrige Fertigungsrate russischer Flugzeuge entgegen. Die Il-78MK-90A wird – genau wie die Il-76MD-90A in Uljanowsk gebaut. Dort rollten 2025 ganze sieben Flugzeuge aus der Fertigung.
Spekulationen über einen anderen ersten Il-78-Exportkunden gab es schon vor der Veröffentlichung des Videos. Berichten zufolge soll Algerien drei Il-78MK-90A gekauft haben, mit einer Option auf drei weitere Maschinen.
Als weiteren möglichen Interessenten bringt "Voennaya Khronika" Iran ins Spiel. Bedarf an Luftbetankungskapazitäten hat Iran in jedem Fall, vor allem in Verbindung mit den 50 Suchoi Su-35SE, die das Land nach Aussage der Revolutionsgarde bestellt hat.
Trotzdem ist es wahrscheinlicher, dass Algerien der erste Exportkunde ist. Immerhin haben die Nordafrikaner bereits Su-34ME, Su-35S und sogar Stealth-Jets vom Typ Su-57E in Russland erworben. Auch hier gilt Algerien als der erste Betreiber der Exportversion. Außerdem nutzt Algerien bereits ältere Il-78, Be-200, MiG-29 und Su-30MKA.
Fast die gesamte Luftflotte Algeriens kommt aus Russland. Das bringt den Vorteil, dass Waffensysteme, Wartungsinfrastruktur und Ersatzteilbeschaffung aufeinander abgestimmt werden können und sich die Flugzeugmuster in der Theorie perfekt ergänzen.
Hinzu kommt, dass Algerien derzeit mehr Geldmittel zur Beschaffung zur Verfügung stehen als dem Iran.





