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Lufthansa Technik (Jan Brandes)
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Fliegende Sternwarte

Boeing 747SP SOFIA ist zurück in Deutschland

Ein gutes Jahr nach ihrem letzten Besuch ist SOFIA, die Fliegende Sternwarte von NASA und DLR, wieder in Deutschland gelandet. Am Mittwochabend schwebte sie in Hamburg ein, wo sich die Boeing 747SP bei Lufthansa Technik einer Frischekur unterzieht.

43 Jahre ist sie alt, doch rüstig und fit wie eh und je: Die Boeing 747SP, die NASA und DLR gemeinsam zum fliegenden Teleskop SOFIA umgebaut haben, dreht auch in Corona-Zeiten eifrig ihre Runden am nächtlichen Himmel, um Geheimnissse zu entschlüsseln, die in der Tiefe des Weltalls verborgen liegen. Vergangenes Jahr im September weilte SOFIA für eine knappe Woche in Stuttgart und absolvierte von dort aus ihre erste und bislang einzige Mission über Europa. Die FLUG REVUE war damals bei der zehnstündigen Rundtour über den Kontinent mit an Bord.

Flugzeuge

C-Check in Fuhlsbüttel

Am gestrigen Mittwoch landete der SP-Jumbo, der in einem früheren Leben Passagiere für United und Pan Am flog, abermals in der Bundesrepublik. Allerdings geht es beim diesjährigen Besuch nicht um die Astronomie, sondern ans Eingemachte: Im Hangar von Lufthansa Technik wird SOFIA sich einem Routine-Check unterziehen, der alle drei Jahre ansteht und vom Aufwand her den Inhalten eines C-Checks entspricht. Im konkreten Fall wird die 747 allerdings gemäß NASA-Vorgaben inspiziert und repariert.

Lufthansa Technik (Jan Brandes)
Ankunft zum Boxenstopp: Bei Lufthansa Technik in Hamburg nimmt SOFIA eine mehrmonatige Auszeit vom Forschungsalltag.

Neue Klimaanlage für die Kabine

Während des Boxenstopps, der plangemäß schon ab August hätte erfolgen sollen, werden die Lufthansa-Techniker aus Hamburg den betagten Jumbo Jet auf Herz und Nieren prüfen. Dazu werden Triebwerke und Kabine samt Verkleidungen und Böden entfernt, um anschließend die Test- und Wartungsarbeiten vornehmen und alle Verkabelungen und Kanäle überprüfen zu können. Außerdem erhält SOFIA eine neue Klimaanlage. "Damit können wir die Temperatur in der Kabine künftig sehr fein regulieren", freut sich SOFIA-Projektleiter Heinz Hammes vom DLR. "Das ist vor allem im Instrumentenbereich wichtig, denn jedes Forschungsinstrument benötigt eine exakt passende Umgebungstemperatur."

Lufthansa Technik (Jan Brandes)
Der Aufwand für den C-Check wird mit rund 10000 Arbeitsstunden beziffert. Im Februar soll SOFIA wieder einsatzbereit sein.

Wartung nur mit Maske

Bereits in der Vergangenheit weilte SOFIA in Hamburg zur Wartung. Dieses Mal warten auf die Beteiligten jedoch neben den technischen noch ganz andere Herausforderungen – Corona sei Dank. So gelten für alle Arbeiten am und im Flugzeug strenge Sicherheitsvorgaben. Dazu gehört die Regelung, dass sich nicht mehr als 15 Personen gleichzeitig an Bord befinden dürfen. Außerdem sind die Techniker verpflichtet, während der gesamten Arbeiten einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Nur das absolut notwendige Personal hat Zugang zum Flugzeug. Projektleiter Sven Hatje von LH Technik freut sich trotzdem: "Es ist großartig, dass wir SOFIA nun wieder begrüßen können."

Patrick Zwerger
Die fliegende Sternwarte von NASA und DLR fliegt seit 1977 und war früher für Pan Am und United im Liniendienst unterwegs.

Auch Teleskop wird überholt

Gegenwärtig sind laut Lufthansa Technik für die geplanten Arbeiten rund 10000 Arbeitsstunden vorgesehen. Im Februar nächsten Jahres soll SOFIA dann wieder ihre Arbeit im Dienste der Wissenschaft aufnehmen. Die verbleibende Zeit bis dahin nutzt das Deutsche SOFIA Institut der Uni Stuttgart (DSI), um auch das Infrarot-Teleskop des Flugzeugs sowie das am Teleskop angebrachte Forschungsinstrument GREAT umfangreich zu überholen und aufzurüsten.