Im Februar hatte der NASA-Administrator Jared Isaacman große Änderungen am Artemis-Mondprogramm angekündigt. Dazu gehört ein verändertes Profil für die Mission Artemis III. Sie war für 2028 geplant und sollte eigentlich die erste Mondlandung seit 1972 beinhalten. Stattdessen wird Artemis III nun auf 2027 vorgezogen und führt "nur" in den erdnahen Weltraum. Dort soll die Orion-Kapsel Rendezvous- und Docking-Manöver mit einer oder beiden Mondlandefähren von SpaceX und Blue Origin durchführen. Am 13. Mai gab die NASA nun weitere Informationen zur Mission preis.
"Auch wenn es sich hierbei um eine Mission in die Erdumlaufbahn handelt, ist sie ein wichtiger Meilenstein für die erfolgreiche Mondlandung im Rahmen von Artemis IV", so Jeremy Parsons, stellvertretender Leiter des Bereichs "Moon to Mars" im Direktorat für die Entwicklung von Erkundungssystemen der NASA in Washington. Artemis III sei eine der komplexesten Missionen, die die NASA je durchgeführt hat. Erstmals muss eine Startkampagne koordiniert werden, an der mehrere Raumfahrzeuge beteiligt sind: das Space Launch System (SLS) der NASA mit der Orion-Kapsel, das Starship-Trägersystem von SpaceX und die New-Glenn-Rakete von Blue Origin mit dem Blue-Moon-Mark-2-Lander. "Wir beziehen bewusst mehr Partner und miteinander verknüpfte Operationen in diese Mission ein, was uns helfen wird zu lernen, wie Orion, die Besatzung und die Bodenteams mit der Hardware und den Teams beider Lander-Anbieter zusammenarbeiten, bevor wir Astronauten auf die Mondoberfläche schicken und dort eine Mondbasis errichten", so Parsons.
Platzhalter statt Oberstufe
Die SLS-Trägerrakete wird Orion mit vier Astronauten vom Kennedy Space Center in Florida aus starten – ohne die ICPS-Oberstufe. ICPS steht für Interim Cryogenic Propulsion Stage; sie basiert auf der Oberstufe der Delta IV. Eigentlich sollte Artemis III die letzte Mission werden, bei der das SLS mit der ICPS fliegt. Aber die NASA hat im Rahmen der Veränderungen im Artemis-Programm auch beschlossen, die Entwicklung der Exploration Upper Stage (EUS) durch Boeing zu stoppen und künftig auf eine modifizierte Centaur-Oberstufe von ULA zu setzen. Um für die nötigen Anpassungen der Centaur mehr Zeit zu haben, spart man die letzte ICPS nun für Artemis IV auf.
Statt der ICPS-Oberstufe will die NASA für Artemis III einen "Spacer", einen Platzhalter nutzen, der die Masse und Abmessungen der ICPS hat, aber über keinen Antrieb verfügt. Nach Angaben der NASA laufen die Entwurfs- und Herstellungsarbeiten für den Spacer im Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, bereits auf Hochtouren. Das Material für den Zylinderabschnitt sowie den oberen und unteren Ring würden derzeit bearbeitet, um es für die bevorstehenden Schweißarbeiten vorzubereiten, so die NASA. Das Europäische Servicemodul (ESM) wird bei Artemis III dafür sorgen, dass Orion in den richtigen niedrigen Erdorbit gelangt.
Docking und Umstieg in mindestens einen Lander
Was die Mondlandefähren – das Starship von SpaceX und Blue Moon Mark 2 von Blue Origin – angeht, gibt es noch einige Fragezeichen. Beide sind aktuell noch in der Entwicklung. SpaceX plant den nächsten Testflug seines Starship, den ersten der Version V3, für frühestens 19. Mai. Blue Origin muss derzeit ein Problem mit der New Glenn lösen, die beim jüngsten Start eine Anomalie der Oberstufe erlitt und ihre Nutzlast im falschen Orbit aussetzte. Auch wenn einige Entscheidungen noch ausstünden, könnten Astronauten während Artemis III möglicherweise in mindestens einen Test-Lander einsteigen, so die NASA.
Die noch nicht offiziell nominierte Crew für Artemis III werde mehr Zeit an Bord der Orion verbringen als während der zehntägigen Mission Artemis II und dabei die Lebenserhaltungssysteme weiter testen sowie erstmals die Funktion des Dockingsystems zeigen. Orion wird bei Artemis III ein verbessertes Hitzeschild erhalten, das für künftige Missionen flexiblere und robustere Wiedereintrittsprofile ermöglicht.
In den kommenden Wochen will die NASA ihre Pläne für Artemis III weiter verfeinern. Dann soll auch ein Zeitplan bekanntgegeben werden, wann die Raumfahrtbehörde über die für die Mission ausgewählten Astronauten und deren Trainingsbeginn informiert. Zudem würden Optionen untersucht, ob der von Axiom Space entwickelte AxEMU-Raumanzug vor einer Mondlandung getestet werden kann. Auch über die Dauer der Artemis-III-Mission und möglicher wissenschaftlicher Experimente will die NASA sukzessive Informationen bereitstellen.





