VORTEX-S: Dassault und OHB entwickeln Mini-Shuttle

VORTEX-S
Dassault und OHB entwickeln Mini-Shuttle

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.05.2026
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Dassault und OHB entwickeln Mini-Shuttle
Foto: Falcon Graphics Lab

Der französische Luft- und Raumfahrtkonzern Dassault Aviation und das deutsche Raumfahrtunternehmen OHB wollen das wiederverwendbare Raumflugzeug VORTEX-S entwickeln. Es soll der ESA für den Transport von Fracht zu Raumstationen und zur Erde und für sogenannte Free-Flyer-Missionen angeboten werden. Das teilten die beiden Unternehmen am 11. Mai mit.

Dassault soll dabei als Hauptarchitekt und globaler Integrator des Mehrzweck-Raumfahrzeugs fungieren, OHB soll die Architektur und Integration des Servicemoduls verantworten. Derzeit führe man Gespräche mit weiteren europäischen Raumfahrtunternehmen, um ein Konsortium für Entwicklung und Bau von VORTEX-S zu bilden.

Erstmals gezeigt auf der Paris Air Show

"Mit unserem Angebot zu VORTEX-S an die ESA wollen wir die europäischen Raumfahrtfähigkeiten stärken", so Éric Trappier, Chairman und CEO von Dassault Aviation. OHB sei in dem Projekt ein natürlicher Partner. "VORTEX-S für die ESA ist eine ambitionierte Initiative, getragen von dem Bedarf nach autonomen europäischen Raumtransportfähigkeiten", sagte Marco Fuchs, CEO von OHB. "Die Partnerschaft mit Dassault Aviation ergänzt sich ideal: Als familiengeführte Hightech-Unternehmen teilen wir eine gemeinsame Vision und bringen komplementäre Stärken in die Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumflugzeugs ein – Dassault Aviation als Flugzeughersteller und OHB als Raumfahrtunternehmen."

Dassault hat ein Modell von VORTEX (Véhicule Orbital Réutilisable de Transport et d'Exploration) im vergangenen Juni auf der Paris Air Show vorgestellt und für zivile und militärische, unbemannte und bemannte Missionen beworben. Damals unterzeichneten Dassault und die ESA eine Absichtserklärung, die unter anderem die Entwicklung eines verkleinerten, suborbitalen Demonstrators beinhaltete. Auch das französische Verteidigungsministerium unterstützt die Entwicklung des Raumflugzeugs.

In einem ersten Schritt wird nun nach Angaben von Dassault VORTEX-D mit Unterstützung der französischen Militärbeschaffungsbehörde DGA entwickelt. Es handelt sich dabei um einen vier Meter langen Demonstrator mit einem Gewicht von einer Tonne. Ein erster suborbitaler Flug ist für 2028 geplant. VORTEX-S soll mit acht Metern Länge und zehn Tonnen Startmasse der größere Nachfolger werden. Mitte des nächsten Jahrzehnts könnten die Schwerlastvariante VORTEX-C und die bemannte Version VORTEX-H in Dienst gehen, so Dassault.

Eine europäische X-37B?

VORTEX ähnelt der Boeing X-37B, die von der US Space Force für geheime Langzeitmissionen im niedrigen Erdorbit genutzt wird. VORTEX soll wie die X-37B mit einer Rakete starten und wie ein Flugzeug auf einer Landebahn landen. Die Version -S soll eine Nutzlastkapazität von zwei Tonnen bieten. Die Nutzlast soll wie beim Space Shuttle im Innern des Raumflugzeugs transportiert und, wenn nötig, über Nutzlasttore auf dem Rumpfrücken freigelassen werden können.

Boeing

Dassault hat bereits Erfahrungen mit Raumfahrtprojekten: Das Unternehmen war unter anderem in den 1980er Jahren beteiligt an der Entwicklung der Raumfähre Hermes, die 1992 eingestellt wurde, ebenso am Intermediate eXperimental Vehicle (IXV) der ESA, das 2015 flog.