Die Schlinge um Kuba zieht sich immer enger. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump penetriert die Karibikinsel seit Monaten mit verstärktem Druck auf mehreren Ebenen. Nun verlieren die Kubaner dadurch auch noch ihre letzte direkte Flugverbindung nach Europa: In einem öffentlichen Rundschreiben gab die staatliche Fluggesellschaft Cubana de Aviación am 10. Mai "die sofortige Stornierung der Flüge CU471/CU470 auf der Strecke Madrid – Santiago de Cuba – Havanna – Santiago de Cuba – Madrid" bekannt.
Die Strecke beflog Cubana mangels geeigneten Fluggeräts schon lange nicht mehr selbst, sondern hatte dazu die spanische Plus Ultra unter Vertrag genommen, die zuletzt mehrmals wöchentlich mit Airbus A330 zwischen Spanien und Kuba pendelte. Diesen Vertrag hat Plus Ultra kurzfristig gekündigt – weil die Airline Strafaktionen der US-Regierung fürchtet: Plus Ultra reagiere mit der Kündigung auf Risiken, "die sich aus der Exekutivverordnung des US-Präsidentschaftsrates vom 1. Mai 2026 ergeben", die die Spanier nach Auskunft von Cubana als "eine Tatsache höherer Gewalt außerhalb der Kontrolle des Unternehmens" und damit als unkalkulierbares Risiko ansehen.
Washington erhöht den Druck
Die als Grund genannte Verordnung der Trump-Administration sieht eine weitere Verschärfung der Wirtschaftsblockade gegen Kuba vor, in deren Zuge auch ausländischen Unternehmen, Banken und Institutionen Sekundärsanktionen drohen – selbst dann, wenn ihre in den USA betriebenen Geschäfte keine Verbindung zu Kuba besitzen. Die kubanische Regierung hatte den USA in einer öffentlichen Erwiderung Anfang Mai bereits vorgeworfen, damit "die wirtschaftliche, finanzielle und kommerzielle Blockade gegen Kuba in extremem und beispiellosem Ausmaß" zu verschärfen.

Cubanas einzige eigene Langstreckenmaschine ist eine Iljuschin Il-96-300, die zuletzt aber vor allem für die kubanische Regierung unterwegs war.
Springt die Iljuschin Il-96 ein?
Für Cubana gestaltet sich die Lage nach dem Verlust von Plus Ultra als Partner nun umso prekärer, da es vor diesem Hintergrund schwer sein dürfte, zeitnah einen Ersatz zu finden. Die einzige flugklare Langstreckenmaschine im eigenen Bestand, eine Iljuschin Il-96-300 mit dem Kennzeichen CU-T1250, war in den vergangenen Monaten nur sporadisch in der Luft – und wenn, dann in Regierungsdiensten. Sporadisch war für das Flugpaar CU470/471 in den vergangenen Tagen bereits die Il-96 hinterlegt, abgehoben sind die gemeldeten Flüge bis dato jedoch nicht.
Vorerst bat Cubana in dem eingangs zitierten Rundschreiben die von der Streichung der Flüge betroffenen Passagiere um Verständnis "für diese außergewöhnliche Situation" und kündigte an, bereits bezahlte Flugtickets "gemäß den geltenden Bestimmungen" zurückzuerstatten. Inwiefern Fluggäste diesbezüglich ihre Rechte geltend machen können, blieb aber zunächst unklar. Auf Facebook kommentierte die Airline eine entsprechende Nachfrage einer Passagierin, sie solle sich "an die Büros von Cubana de Aviación wenden", um dort zu klären, wie es nach der Stornierung des Fluges weitergehe.
Kuba kurz vor dem Kollaps
In Kuba herrscht derweilen wegen des von den USA verhängten Ölembargos weiter eklatanter Kerosinmangel. Cubana und Plus Ultra hatten aus diesem Grund bereits im Februar das Flugangebot zwischen Madrid und Havanna auf nur noch einen Umlauf pro Woche reduziert. Da auch viele andere Airlines das einst beliebte Urlaubsziel in der Karibik nicht mehr anfliegen, steht nicht nur der Luftverkehr, sondern auch der für Kubas Wirtschaft elementar wichtige Tourismussektor vor dem Kollaps.
Interessanterweise finden sich im Flugplan des Flughafens José Martí in Havanna nach wie vor mehrere Flugverbindungen nach Miami, die von US-Airlines betrieben werden. Außerdem stehen unter anderem Flüge aus Mexiko, der Dominikanischen Republik und Venezuela sowie aus Angola auf der Ankunftstafel.





