Pilot Yevhenii Mosinets ist voll des Lobes für sein Flugzeug. "Wie eine Rakete" fliege sich die Antonow An-32P im Einsatz – kraftstrotzend, robust, agil und "einfach großartig." Yevhenii muss es wissen, war er doch früher Kommandant auf Antonow An-26 und An-30, hat also den direkten Vergleich, denn alle genannten Muster teilen sich dieselbe Basis.
Heute kämpft er im Auftrag des ukrainischen Privatunternehmens Xena LLC am Steuer der An-32P gegen Waldbrände – ein Metier, das schon von Haus aus hohe Ansprüche an dafür eingesetzte Fluggeräte stellt.
Xena ist der weltweit einzige kommerzielle Nutzer der An-32P und hat aktuell zwei davon im Einsatz – eine in Montenegro, die andere in der Türkei, stationiert am Flughafen Dalaman. Letztere trägt das Kennzeichen UR-UZH, ist Baujahr 1992 und fliegt seit 2021 für Xena.
Die Seriennummer 2901 verrät sie überdies als Pionierin: Sie war in den 90er Jahren die erste An-32P überhaupt, flog in dieser Ausführung erstmals am 16. Februar 1993 und diente ihrem Schöpfer Antonow lange Zeit als offizieller Demonstrator für die spezielle Feuerlöschversion des Mehrzweck-Transporters An-32.
Kraftstrotzende Antonow-Zweimot
Diese wiederum war in den 70er Jahren als Hochleistungsversion der An-26 entstanden – basierend auf einer Anfrage der indischen Luftwaffe und optimiert für Einsätze in heißen, hoch gelegenen und rundweg unwirtlichen Gegenden.
Bereits von Haus aus strotzt die An-32 deshalb vor Kraft. Statt der für die An-24/An-26-Familie üblichen Iwtschenko AI-24-Turboprops mit jeweils maximal 2820 PS erhielt die An-32 zwei Iwtschenko AI-20, die mit bis zu je 5112 PS beinahe doppelt so viel Leistung liefern.
Das AI-20 hatte Antonow zuvor schon bei der viermotorigen An-12 verwendet. An der An-32 wurde es aus Platzgründen und zum Schutz vor Fremdkörpern bei Start und Landung auf unbefestigten Pisten über den Tragflächen montiert. Das bescherte dem Muster auch optisch einen deutlich kraftvolleren Auftritt – und ein untrügliches Erkennungsmerkmal im Vergleich zum Basismodell An-26.

Anhand ihrer über den Tragflächen positionierten Triebwerke ist die An-32 von anderen Vertreterinnen der An-24-Familie leicht unterscheidbar.
Leistungsdaten der An-32
Als Transporter kann die An-32 6700 Kilogramm Fracht aufnehmen, alternativ 50 Passagiere oder 42 Fallschirmjäger mit Equipment. Zur Evakuierung von Verletzten lässt sich die An-32 bei Bedarf außerdem mit 24 Krankenbahren ausstatten, dreiköpfiges medizinisches Fachpersonal inklusive. Das maximale Abfluggewicht liegt bei 29,7 Tonnen.
Unter der Lizenz von Antonow in Kiew wurde die An-32 ab 1982 im Aviant-Flugzeugwerk in Kiew-Swjatoschyn in Serie gebaut. Gut 370 Exemplare verließen insgesamt die Werkshallen – die letzte Maschine rollte erst 2012 vom Hof, als die Aviant-Fabrik bereits offiziell als staatliches "Antonow-Serienwerk" firmierte.

Da die Löschwassertanks der An-32P außen montiert sind, bleibt der Frachtraum des Flugzeugs für Transportaufgaben nutzbar. Auch 27 Feuerspringer können mitgeführt über Brandherden abgeworfen werden.
Einsatz der An-32P als "Firekiller"
Für die Umwidmung zum Feuerlöschflugzeug An-32P, Spitzname "Firekiller", montierte Antonow zwei maßgeschneiderte Außentanks links und rechts an den Rumpf der Turboprop-Zweimot. Diese sind ihrerseits in je zwei Kammern unterteilt, die sich separat am Boden über Druckschläuche befüllen lassen. Insgesamt kann die An-32P 8000 Kilogramm Löschwasser aufnehmen – je nach Einsatzprofil auch mit Flammschutz-Beimischung auf chemischer Basis.
Dieses rot gefärbte Flammschutzmittel schützt nahe an Brandherde angrenzende Bäume bis zu 20 Minuten vor einem Übergreifen der Flammen, macht das Löschflugzeug durch seine chemische Zusammensetzung jedoch anfälliger für Korrosion und verlangt somit mehr Wartungsaufwand.
Speziell im Einsatzverbund mit Amphibienflugzeugen und Hubschraubern, die ihr Löschmittel aus nahegelegenen Gewässern holen, ist der Einsatz von Chemikalien aber ohnehin wenig zielführend – würden diese am Boden doch durch die Wasserabwürfe der anderen fliegenden Löschkräfte größtenteils weggespült.

Acht Tonnen Wasser kann die An-32P pro Flug auf Waldbrände abwerfen - entweder gesammelt oder sequenziert.
Die einzigen kommerziellen An-32P der Welt
Ihre Zulassung erhielt die An-32P am 10. März 1995. Größter Betreiber ist heute der ukrainische Katastrophenschutz mit acht Flugzeugen. Xena LLC, 2019 gegründet, erstand die An-32P UR-UZH über eine Auktion. Zu diesem Zeitpunkt war der einstige Löschflieger-Prototyp bei Antonow eingelagert und seit mindestens 2012 nicht mehr geflogen. Xena ließ dem vor sich hin schlummernden Flugzeug 2021 wieder Leben einhauchen.
Die zweite Maschine in der Flotte, Kennzeichen UR-UZQ, fliegt erst seit 2024 für Xena. Sie wurde zwischen September 2023 und Mai 2024 in der Slowakei eigens zum Löschbomber aufgerüstet, da auf dem Markt keine fertige An-32P zu haben war. Die UR-UZQ ist Baujahr 1991 und stand zuvor in Peru bei Atsa Airlines als Transporter im Dienst.
Inzwischen besitzt Xena mit dem als UR-UZR registrierten Exemplar sogar noch eine dritte An-32. Diese ist allerdings noch am slowakischen Flughafen Trenčín eingemottet. Pläne, auch sie zum Löschbomber An-32P zu konvertieren, gibt es zwar. Aber Antonow hält das Monopol auf die dafür benötigten Tanks und deren Einbau und lässt sich dies – dem Vernehmen nach – einiges kosten.
Das macht den Umbau unter den aktuell herrschenden Kriegsbedingungen für Xena nicht nur logistisch, sondern auch finanziell zu einer Herausforderung.

In der Saison 2026 agiert die UR-UZH in der Türkei als Einzelkämpferin. Die Schwestermaschine UR-UZQ fliegt dieses Jahr in Montenegro.
Bewährt, robust und zuverlässig
Die beiden aktiven Xena-An-32P haben sich derweil im Einsatz gegen Waldbrände bestens bewährt. 2025 setzten die Ukrainer zeitweise beide Flugzeuge in der Türkei ein und operierten dabei von 14 unterschiedlichen Flugplätzen aus, darunter Dalaman, Bursa, Kastamonu, Izmir, Denizli und Çanakkale.
Insgesamt verzeichnet die Einsatzstatistik für 2025 450 Flüge, bei denen die Xena-Crews während 434 Präzisionsabwürfen insgesamt 3,472 Millionen Liter Wasser und Löschmittel zu Boden regnen ließen. Alle Missionen beendete Xena ohne einen einzigen Zwischenfall – auch in der aktuellen Waldbrandsaison, die noch bis in den November andauert, beweisen sich die An-32P von Xena bravourös.

Das Xena-Team in Dalaman würde sich angesichts des zu bewältigenden Arbeitspensums über Verstärkung in Gestalt weiterer An-32-Löschbomber nicht beschweren.
Verstärkung wäre kein Fehler
Allerdings: Einer Verstärkung in Form weiterer Flugzeuge und Crews würde sich, zumindest auf der Einsatzbasis in Dalaman, niemand verweigern. "Wir könnten hier problemlos auch vier Antonows betreiben und wären trotzdem gut beschäftigt", bringt es einer der Xena-Techniker vor Ort auf den Punkt.
Klar scheint auf alle Fälle: Die Löschfliegerei wird in Europa und den angrenzenden Regionen in den kommenden Jahren ein geschäftiges und wachsendes Tätigkeitsfeld bleiben, das bereits jetzt eher mit zu knappen als mit zu üppigen Ressourcen zu kämpfen hat.
Womöglich wird vor diesem Hintergrund bei Xena LLC zumindest die schon auf dem Hof stehende dritte An-32 mittelfristig den Kampf gegen die Feuersbrünste aufnehmen.





