22 russische Superjets vergammeln in Mexiko: Die vergessene Superjet-Flotte

Die vergessene Superjet-Flotte
22 russische Superjets vergammeln in Mexiko

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.06.2026
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22 russische Superjets vergammeln in Mexiko
Foto: Sukhoi Civil Aircraft

Auf dem Flughafen Toluca bei Mexiko-Stadt rosten seit Jahren zwei knapp Dutzend Regionalflugzeuge vor sich hin. Die Maschinen sollten einmal das Rückgrat einer expandierenden Fluggesellschaft bilden. Doch es kam anders.

In den frühen 2010er Jahren suchte die mexikanische Fluggesellschaft Interjet, damals die drittgrößte des Landes, ein Regionalflugzeug für 75 bis 100 Passagiere, um ihr Streckennetz zu verdichten. Sie entschied sich damals für den Suchoi Superjet aus Russland. Genau diese Flugzeuge stehen jetzt ungenutzt in Toluca. Über ihr trauriges Schicksal berichtete zuerst das Portal Simple Flying.

Schulden, Schulden, Schulden

Inzwischen gibt es die mexikanische Airline nicht mehr. Grund für die Pleite des Unternehmens war unter anderem die Corona-Pandemie, aber auch vorher hatte die Fluggesellschaft hohe Steuerschulden.

Zwischen 2017 und dem ersten Quartal 2019 summierten sich die Verluste auf über 211 Millionen US-Dollar. In den Jahren vorher sah es kaum besser aus. Auch bei der Flugzeugbeschaffung landete Interjet den einen oder anderen finanziellen Fehlgriff, der schließlich für das Ende der Airline sorgte.

Das Unternehmen bestellte 2013 in Russland 30 Suchoi SSJ100 und wurde damit zum einzigen Betreiber des russischen Flugzeugs in Nordamerika.

Die Zweistrahler waren damals im Einkauf günstiger als andere, etablierte Alternativen. Ab Juni 2013 übernahm Interjet die ersten Maschinen. Am Ende waren es 22 Superjets, die im In- und Auslandsverkehr nach Kuba, in die USA sowie Südamerika eingesetzt wurden.

Ersatzteilmangel wegen Zahlungsrückständen

Fünf Jahre später begannen die Probleme mit den Regionalflugzeugen. Vier Superjets konnten monatelang nicht fliegen, weil Ersatzteile fehlten.

Allein am Hersteller lag das allerdings nicht. In Mexiko gab es für die Superjets keine Wartungsinfrastruktur, und die nicht liquide Airline leistete verspätete oder auch gar keine Zahlungen an etwaige Zulieferer.

Um die wenigen flugfähigen Maschinen einsatzklar zu halten, begann die Fluggesellschaft, Bauteile aus stillgelegten Superjets auszuschlachten.

Mitte 2019 standen bereits 15 der 22 Superjets in der Wartungshalle oder im Abstellbereich, zahlreiche Triebwerke waren wegen unbezahlter Reparaturrechnungen außer Betrieb. Anfang 2020 waren nur noch vier bis sieben Maschinen im aktiven Liniendienst, der Rest stand dauerhaft am Boden.

Ende 2020 flog Interjet dann zum letzten Mal. Die Pleite hatte sich bereits zu Beginn der Pandemie angekündigt. Anfang des Jahres hatten die Leasinggesellschaften angefangen, die parallel zu den Superjets betriebene Airbus-Flotte der Airline wieder einzuziehen. Ein Betrieb war danach kaum noch möglich.

Sanktionen machen Verkauf unmöglich

Nach Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 gerieten alle Pläne, die Superjets zu verkaufen, in weite Ferne. Die westlichen Sanktionen sorgten dafür, dass die Ersatzteilbeschaffung noch schwerer wurde. Jeder potenzielle Käufer hätte gleichzeitig mexikanisches Insolvenzrecht und US- sowie EU-Exportkontrollen beachten müssen.

Die Sanktionen zwangen selbst Hersteller Suchoi zum Umdenken. In Russland wird der Superjet deswegen inzwischen "importsubstituiert" gebaut.

Berichten zufolge wurden Triebwerksteile und Fahrwerkskomponenten der geparkten Flugzeuge über mexikanische Auktionen verkauft.

Parallel dazu erklärte im April 2023 ein Gericht in Mexiko-Stadt die Betreibergesellschaft offiziell für insolvent und ordnete den Verkauf der verbliebenen Vermögenswerte durch einen gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter an.

Weiterverkauft werden die Flugzeuge nun wohl nicht mehr. Der Zustand ist offenbar zu schlecht – und einen neuen Betreiber zu finden, gilt als beinahe ausgeschlossen.