Sie flog für Saudia Cargo, VIASA, die Flying Tigers, FedEx, Atlas Air und zeitweise sogar für Swissair Cargo, doch bei ihrem letzten Arbeitgeber war ihr wenig Glück vergönnt: Die Boeing 747-200F mit der Seriennummer 20826, Baujahr 1974, blick auf ein langes, abwechslungsreiches Flugzeugleben zurück – von dem sie sich seit nunmehr 18 Jahren am Flughafen Valencia zu erholen scheint.
Zumindest parkt der Jumbo Jet dort seit Oktober 2008 auf dem Vorfeld, lackiert in den Farben seines damaligen Eigentümers, der spanischen Charterfluggesellschaft Pronair. Deren Markenauftritt in Magenta, Gold und Weiß macht die verlassene 747 auch nach fast zwei Jahrzehnten Stillstand zum absoluten Hingucker, selbst wenn der Lack längst stumpf geworden ist.
Angesichts der langen Parkzeit zeigt sich der Vierstrahler, der den Taufnamen "Arca de Torretallada" am Bug trägt, zumindest von außen noch in einem guten Zustand – ohne platte Reifen, lose Teile oder andere Zeichen des Verfalls.
Was mit dem herrenlosen Jet geschehen soll, darüber zerbricht sich der spanische Flughafenbetreiber Aena, der auch für den Airport in Valencia Verantwortung trägt, seit Jahren den Kopf.
Pronair – Opfer der Wirtschaftskrise
Doch wie kam die 747-200F überhaupt dort hin, wo sie jetzt ist? Und warum kam sie nicht mehr weg?
Diese Geschichte ist recht schnell erzählt. Pronair war eine kurzlebige Airline, gegründet im Jahr 2007 von dem spanischen Geschäftsmann Isidoro Romeno. Der hatte mit seiner Fluggesellschaft große Pläne.
Damals wähnte sich Spanien im wirtschaftlichen Aufschwung und Pronair flog mit zwei McDonnell Douglas MD-87 spanische Touristen zu Charterzielen in Europa. Ende 2007 stieß dann auch die 747-200F zur Flotte, mit der Pronair sich im interkontinentalen Frachtmarkt etablieren wollte.
Pronair hatte eigentlich sogar in zwei 747-Frachter investiert und dafür dem Vernehmen nach 60 Millionen US-Dollar bezahlt.
Dann aber brach 2008 in Spanien die Immobilienkrise aus, das Land stürzte in eine tiefe Rezession. Das Platzen der Spekulationsblase traf auch Pronair hart, die Airline konnte ihre Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen und musste schließlich 2009 den Flugbetrieb ganz einstellen.
Eine der beiden MD-87 steht seitdem übrigens verlassen auf dem Flughafen Barcelona.

Pronair wollte mit der Boeing 747-200F im Langstreckenfrachtverkehr Fuß fassen. Hier rollt die EC-KRP auf dem Flughafen Luxemburg zum Start.
Verlassen in Valencia
Die 747-200 blieb in Valencia bereits seit Oktober 2008 am Boden.
Ob dabei vorrangig technische Gründe eine Rolle spielten – dem Flugzeug wird nachgesagt, es sei sehr anfällig für Defekte gewesen und während seiner Pronair-Zeit oft liegengeblieben – oder ob Airport-Betreiber Aena die "Arca de Torretallada" wegen nicht bezahlter Gebühren an die Kette legte, darüber kursieren unterschiedliche Berichte.
Tatsächlich war es in den Wirren der Wirtschaftskrise keine unübliche Praxis, dass spanische Pleite-Airlines ihre Flugzeuge einfach an Ort und Stelle zurückließen, wie ein Artikel der Tageszeitung El País aus dem Jahr 2019 ausführt, demgemäß zu diesem Zeitpunkt im ganzen Land über 70 solcher verlassener Maschinen auf irgendwelchen Flughafenvorfeldern standen.
Ein ungebetener Dauergast
Die Pronair-747, unter Flugzeugfans ist sie bereits zu einem inoffiziellen Wahrzeichen des Flughafens Valencia avanciert, wartet jedenfalls weiter auf ihr Schicksal. In der Zwischenzeit soll der Fracht-Jumbo über 200 Millionen Euro an Gebühren und Bußgeldern verursacht haben – von denen unklar ist, ob sie jemals beglichen werden.
Der Flughafen Valencia versuchte in der Vergangenheit wiederholt, seinen Dauergast loszuwerden. 2013 wurde das Flugzeug angeblich bereits für 2,1 Millionen US-Dollar versteigert, doch wirklich passiert ist seidem nichts.
2021 war die "Arca de Torretallada" zunächst abermals Teil einer Auktion, die noch 23 andere Flugzeuge umfasste, wurde kurzfristig aber aus dem Portfolio entfernt.
2024 rief Aena öffentlich dazu auf, der sich verantwortlich fühlende Eigentümer möge sich um die Maschine kümmern und sie möglichst vom Flughafen entfernen, auf welchem Weg auch immer. Doch es fand sich – wenig überraschend – niemand, der sich angesprochen wähnte.
Neuer Anlauf, die 747 loszuwerden
Nun plant Aena nach eigenen Angaben einen neuen Anlauf, denn per Gesetz gilt die 747 nun als herrenlos, was den Weg zu einer neuen Auktion ebnet. Ob sich dieses Mal ein Bieter findet, der sich tatsächlich des Jets annimmt, und was dieser dann mit dem Jumbo anstellt, wird sich zeigen.
Fliegen, das dürfte sicher sein, wird die Pronair-747 wohl so oder so nicht mehr.





