Erstes Airbus A350-Frachttor nach Toulouse geliefert

A350-Frachter bald komplett
Spanier liefern erstes A350-Frachttor

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.04.2026
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Spanier liefern erstes A350-Frachttor
Foto: Airbus

Die Lieferung des ersten Frachttores (A350F Main Deck Cargo Door – MDCD) hatte am Dienstag erstmals A350-XWB-Chief Engineer und Deputy – Development bei Airbus, Joel Rocker, auf eine Frage der FLUG REVUE in Bremen bestätigt. Der Einbau werde etwa einen Monat dauern. Airbus hatte eine Journalistengruppe nach Hamburg und Bremen eingeladen, wo in Hamburg die bereits laufenden A350F-Sektionsmontage und in Bremen Teststände für den Frachtraum ("Cargo Zero") und der Funktionsteststand für das neue Frachttor besichtigt werden konnten.

Hamburger A350F-Produktion läuft

In der Hamburger Halle 261 werden üblicherweise Rumpfsektionen für drei A350-900 und eine A350-1000 oder A350F zugleich endmontiert und ausgestattet. Die A350F liegt längenmäßig zwischen der A350-900 und -1000, läuft bei Airbus aber unter dem Dach der Version A350-1000 mit. Der neue Frachter besticht neben seiner besonders leichten Struktur aus Kohlefaser vor allem durch sein riesiges Frachttor an der linken, hinteren Rumpfseite. Es ermöglicht die Beladung mit großen, weitgehend unzerlegten Turbofan-Triebwerken, einem wichtigen Ladegut im weltweiten Luftfrachtverkehr, das zum Transport sonst oft erst mühsam zerlegt werden muss.

Fracht fährt zweispurig durch die Kabine

Damit Be- und Entladung schnell und ungehindert klappen, testet Airbus in Bremen mit "Cargo Zero" bereits in einer originalgetreuen Kabine, die allerdings statt 50 Metern innen nur 25 Meter lang ist, wie das Ladesystem praktisch arbeitet. Mit einem kleinen Joystick an einem Bedienpult innen rechts hinter der Tür kann man auch schwere Frachtpaletten durch die Kabine dirigieren und zweispurig einparken. Das System kann sogar Paletten innerhalb des Rumpfes drehen. Es ist mir mehrstufigen Geschwindigkeiten und automatisch langsamerem Tempo vor der Annäherung an andere Paletten auf eine besonders schonende Gangart ausgelegt. Falls Ladegut sehr schwer ist und sein unbedachtes Bugsieren im Rumpf das Flugzeug am Boden aufs Heck kippen lassen würde, greift eine Automatik ein und stoppt das Ladesystem, bevor tatsächlich ein Problem entsteht. Dazu misst ein Sensor in der Bugradstrebe, ob das Flugzeug zu hecklastig wird.

Eigener Teststand für das Frachttor

Ein zweiter Teststand in Bremen kann bereits die Zuverlässigkeit des Schließ- und Verriegelungsmechanismus prüfen und nachweisen. Dabei geht es auch um Sonderfälle, wie stark asymmetrisch beladene Flugzeuge, oder schief auf leicht schrägen Vorfeldern parkende, wodurch sich die Flugzeugzelle leicht verdrehen kann. Das Frachttor muss trotzdem sicher schließen und verriegeln. Es ist oben an einer durchgehenden Scharnierleiste ("Piano Hinge") angeschlagen und rastet unten in einem System aus zehn Haken, die wie ein Riegel seitlich verschoben werden, druckkabinenfest ein. Im Rumpf der A350F sieht man rund um das Frachttor einen metallischen Verstärkungsrahmen aus leichtem, kostbarem Titan, das den Türrahmen der riesigen Öffnung umschließt. Ein dicker Titanlängsträger, innen über dem Tor, stellt die nötige Festigkeit an der 4,5 Meter breiten und 4,3 Meter hohen Toröffnung her. Auch die CFK-Rumpfstruktur des Kabinendaches ist auf Höhe des Frachttores erkennbar deutlich verdickt.

Rumpflänge als Umsatzbringer maßgeschneidert

A350-Chefingenieur Joel Rocker erläuterte, dass die neue A350F von ihrer Rumpflänge her (70,80 Meter) genau auf die "umsatzbringendste Frachtddichte" am Luftfrachtmarkt in etwa zehn Jahren ausgelegt sei. Deswegen habe man die neue, mittlere Rumpflänge und nicht die einer voll ausgewachsenen A350-1000 gewählt. Es komme bei einem Frachter immer auf den perfekten Mix aus Nutzlast-Tragfähigkeit und Rumpfvolumen an. Die A350F kann 111 Tonnen Nutzlast über bis zu 8700 Kilometer weite Strecken transportieren, etwa von Leipzig nach Anchorage. Beim Volumen geizt die A350F aber auch nicht, sie bietet innen das gleiche Ladevolumen, wie eine Boeing 747-400F, ist durch nur zwei Triebwerke (leise und saubere Rolls-Royce Trent XWB-97) und ihre Struktur aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff (70 Prozent Anteil), aber wesentlich leichter, laut Airbus 46 Tonnen leichter als "Wettbewerber." 14 Kunden haben bereits 101 A350-Frachter fest bestellt.