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Größtes aktives Flugboot der Welt

Löschbomber Martin Mars

Nach schweren Waldbränden ließ die kanadische Provinz British Columbia im Juli eine schon eingemottete Martin Mars als Löschbomber wieder startklar machen.

Beim tiefen Brummen der vier jeweils 1900 Kilowatt starken 18-Zylinder-Sternmotoren Wright R-3350 Duplex-Cyclone laufen am Sproat Lake in Kanada die Menschen neugierig aus ihren Häusern. Die beiden riesigen Martin Mars, Spannweite 61 Meter, kennt hier jeder. Zwei Jahre nach ihrem letzten Einsatz hob eines der Flugboote am 13. Juli 2015 erstmals wieder zu einem Probeflug ab, denn die Regierung von Kanada brauchte das riesige Löschflugzeug zur Waldbrandbekämpfung. Alleine die Bereitstellung des stets bestens gepflegten Oldies berechnet deren Betreiber, die kanadische Firma Coulson Flying Tankers, aktuell mit 15 000 Kanadischen Dollar (etwa 10 500 Euro) pro Tag. Hinzu kommen Gebühren von 6000 Dollar pro Flugstunde und weitere 5000 Dollar pro Flugstunde an reinen Benzinkosten. Dies war der Provinzregierung in den letzten Jahren zu teuer, und so blieben die beiden Martin Mars am Boden. Doch manchmal können nur noch die fliegenden Löschriesen helfen.

Deshalb hob eine der beiden Mars am 18. Juli zum ersten „heißen“ Einsatz ab, bei dem sie gleich neun Wasserladungen auf einen Waldbrand in Nelson, British Columbia, abwarf und in nur zwei Stunden 200 000 Liter Wasser und Schaum ausbrachte. Die kanadische Website „The Province“ meldete, die aktuelle Zahl der Waldbrände in Kanada sei damit von 223 Brandherden schlagartig auf nur noch 154 verringert worden. Die relativ schwerfällige Mars wird immer im Verbund mit einem kleinen, wendigen Beobachtungsflugzeug, Rufzeichen „Bird Dog“, eingesetzt. Diese Cessna Grand Caravan fliegt voraus, späht die Brandherde aus und legt die beste Anflugroute für die Mars fest. Trotz ihrer Leistungsfähigkeit ist die Mars als Löschbomber keineswegs unumstritten, denn vor dem Abwurf ihrer 27 Tonnen Wasser müssen die Löschmannschaften am Boden aus Sicherheitsgründen abgezogen werden und ihre Arbeit unterbrechen. Für die Bereitstellungskosten einer Martin Mars könne man auch vier kleinere Amphibienflugzeuge vom Typ Air Tractor AT-802F „Fire Boss“ anmieten, wenden Kritiker ein, deren Flugstundenkosten weniger als die Hälfte der Kosten einer Mars-Stunde ausmachten. Die „Fire Boss“ könne auch langfristig brandhemmende Chemikalien abwerfen, was mit der Mars technisch nicht möglich sei. Allerdings kann die Mars ihrem Löschwasser bis zu 3100 Liter Gel zur Schaumbildung beimischen.

Für die US Navy entwickelt

Nur sechs Martin Mars wurden gebaut, zwei existieren noch. Die US Navy hatte die gigantische Viermot, maximale Startmasse 80 Tonnen, im Zweiten Weltkrieg für Langstreckeneinsätze über dem Pazifik als Fernbomber JRM-3 entwickeln lassen. Der Erstflug fand am 3. Juli 1942 statt. Der letzte Flug liegt nach der Reaktivierung hoffentlich noch in weiter Ferne.

FLUG REVUE Ausgabe 09/2015

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