Türkei braucht beim Stealth-Kampfjet Kaan die USA - noch

Kaan braucht Schub
Türkei kann beim Stealth-Kampfjet Kaan nicht ohne USA

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.07.2026
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Für über 700 Millionen USD bekommt die Türkei F110-GE-129-Triebwerke von General Electric. Washington hat die Exportlizenz nun doch erteilt.

Aber wofür braucht die Türkei überhaupt die F-110? Denn immerhin arbeitet eine türkische Firma an einem Antrieb aus der Türkei für die Türkei. Turbofan TF35000 heißt das gute Stück, hergestellt von Tusaş Engine Industries (TEI). TEI ist eine Tochterfirma von Kaan-Hersteller Turkish Aerospace und GE, das bisher die Triebwerke herstellt.

Inwiefern GE selbst an dem neuen Antrieb beteiligt ist oder davon profitiert, wollte ein Sprecher von TEI auf Nachfrage nicht verraten. Das sei "vertraulich".

Stärker als der GE-Turbofan

Wie der Name vermuten lässt, bringt es das neue türkische Strahltriebwerk auf 35.000 Pfund (knapp 156 Kilonewton) Schub. Damit soll es dem F110-GE-129 aus den USA (131 Kilonewton) klar überlegen sein und das stärkste jemals im Land entwickelte Triebwerk werden – ganz auf den Kaan zugeschnitten.

Noch befindet sich das TF35000 in der kritischen Entwurfsprüfung, weswegen der Großteil der technischen Daten noch nicht veröffentlicht wurde. Die Testphase soll jedoch bald beginnen. Vollständig in den Kaan integriert sein soll das Produkt dann 2032 – vier Jahre nach der geplanten Indienststellung des Kaan.

Die ersten Kaan-Exemplare, die vorerst noch mit dem US-Antrieb fliegen werden, sollen später umgerüstet werden, wie ein Sprecher gegenüber der FLUG REVUE erklärte.

Langfristig sollen die F-110 also gar nicht genutzt werden. Und trotzdem braucht die Türkei die US-Lieferungen, um die ambitionierten Ziele beim Kaan zu halten, denn ohne Antrieb kein Stealth‑Jet.

Immense Entwicklungsleistung

Die bisher geleistete Entwicklungsarbeit bei TEI ist durchaus beeindruckend – und doch bleibt für die Türken noch ein langer Weg zu gehen. Nur wenige Länder weltweit können Triebwerke für Kampfflugzeuge der fünften Generation in Serie produzieren.

Unterdessen ist die F110-Familie in der Türkei fest etabliert, denn das GE-Triebwerk ist auch in der großen F-16-Flotte verbaut, die die Türkei betreibt. Das bedeutet einfachere Logistik und Wartung in den ersten Einsatzjahren des Kaan, während der Stealthjet noch in den Kinderschuhen steckt.

Auch einige andere Eigenprodukte aus der Türkei werden mit Triebwerken von TEI ausgestattet. Unter anderem für den Mehrzweckhubschrauber Hubschrauber T625 Gökbey gibt es einen Antrieb aus dem Haus. Gökbey fliegt unter anderem schon bei der Gendarmarie. De im Land produzierten Drohnen sollen teilweise ebenfalls mit TEI-Antrieben, wie dem TF6000 für die Anka-III, fliegen.

Den europäischen Exportmarkt, abgesehen von Spanien, wird die Türkei mit den eigenen Produkten wohl erstmal nicht erobern, immerhin ist Beschaffung immer auch politisch getrieben.

Dafür gibt es Interessenten aus anderen Teilen der Welt und genau darauf hat die Türkei es primär abgesehen. Indonesien hat den Kaan schon gekauft und auch aus der Golfregion soll Interesse kommen. Genauso besteht die Möglichkeit zum Export nach Afrika. Für einen Verkauf des Kaan in diese Länder wäre die Unabhängigkeit von US-Technologie ein gewichtiges Verkaufsargument.

Einige Eigenprodukte, wie Hürkuş, fliegen schon auf dem afrikanischen Kontinent; unter anderem im Tschad und in Libyen. Für die afrikanischen Nationen mit weniger Kaufkraft sind dewreil die Drohnen aus der Türkei besonders spannend. Die kommen aktuell vor allem vom Unternehmen Baykar Technologies aus Istanbul.