Der Krieg zwischen dem Iran und Israel im Juni war der intensivste konventionelle Konflikt im Nahen Osten seit der Operation Desert Storm 1991. Der Umfang der israelischen Operationen ging weit über Schläge auf Militäranlagen hinaus. Die israelische Luftwaffe versuchte, die kontinuierliche Lufthoheit über weite Teile des iranischen Luftraums zu halten. Dazu erhielten vor allem die Angriffsdohnen Hermes 900 und Heron TP wichtige Rollen. Für die Heeresflieger der Islamischen Republik Iran (IRIAA) stellte der Angriff die alternde, aber zahlreiche Flotte von AH-1J Cobra-Kampfhubschraubern direkt ins Fadenkreuz. In den 1970er Jahren an die Heeresflieger der Schah-Regierung geliefert, hatten sich die Cobras später im Iran-Irak-Krieg, wo sie irakische Panzervorstöße stoppten, einen beeindruckenden Ruf erworben. Als Israel am 13. Juni den Iran angriff, war die IRIAA einer der weltweit größten Betreiber der Bell AH-1 Cobra. 88 Hubschrauber standen an diesem Morgen in ihren Büchern.

Eine iranische AH-1J im alten Tarnanstrich.
Erschöpfte Flotte
Die geringe Einsatzbereitschaft der AH-1J-Flotte war das Ergebnis von Jahrzehnten Verschleiß und Sanktionen. Die Verluste im Krieg gegen den Irak hatten die Cobras bereits dezimiert. In den 90er Jahren wurden die Einheiten mit Anti-Drogen-Operationen gegen Schmuggler beauftragt. Gleichzeitig wurden Cobras für Operationen gegen kurdische Separatisten und später in Sistan-Belutschistan gegen verschiedene Terrorgruppen eingesetzt. Diese Missionen zehrten ebenfalls an den Maschinen. Die Instandhaltung brach unter Finanzierungsengpässen und westlichen Sanktionen zu-sammen, Ersatzteile wurden auf dem Schwarzmarkt beschafft. Ab 2002 versuchte der Iran mit einer Reihe von Überholungs- und Modernisierungsprojekten, die Flotte wieder aufzubauen. Ein Projekt zielte darauf ab, Zielsysteme zu digitalisieren; später rüsteten die Iraner einige Cobras mit Infrarot- und elektrooptischen Sensoren aus und entwickelten auf Basis der US-Panzerabwehrrakete TOW die Derivate Toufan-2 und Toufan-3. Jedoch wurde nur ein Bruchteil der Cobra-Flotte modernisiert.

Diese Cobra wird auf den Toufan-2-Standard aufgerüstet.
Upgrade auf eigene Faust
Bis 2014 hatte die IRIAA rund 90 Cobras wieder in Dienst gestellt und begann im Jahr 2020 die inländische Modernisierung der AH-1J-Flotte auf den Toufan-2-Standard. Nur elf Tage vor Kriegsausbruch enthüllte die IRIAA zwei modernisierte AH-1J TOW Cobras. Während der Zeremonie zeigte die IRIAA auch neue Waffen, die in diese Hubschrauber integriert waren, darunter die Qaem-114 und die Dehlavieh, Irans Version der 9M133 Kornet-Panzerabwehrrakete aus der Sowjetunion. Die neu enthüllten Raketen lösten später Furcht unter den israelischen Operationsplanern aus, was zu der Entscheidung führte, die AH-1J der Iraner als primäre Ziele zu betrachten. Am Morgen des 13. Juni waren die Cobras in einem Flickenteppich über das Land verteilt. Insgesamt bestand die AH-1J-Flotte aus 52 Nicht-TOW-Cobras, im Waffenarsenal beschränkt auf ungelenkte Raketen und Kanonen, 27 TOW-fähigen Helikoptern und neun modernisierten Toufan-2-Exemplaren, alle fähig, BGM-71-TOW-Panzerabwehrraketen und deren Derivate abzufeuern. Am Abend vor Kriegs- beginn waren die Cobras bereits von der modernen, drohnenzentrierten Präzisionskriegsführung überholt, die sie erwartete. Während bemannte Jäger der israelischen Luftwaffe tiefe Schläge flogen, konnten sie aufgrund von Tankerbeschränkungen nicht unendlich ver- weilen. Tanker der US Air Force durften nicht in den iranischen Luftraum eindringen. Infolgedessen wurden Israels unbemannte Luftfahrzeuge zu den wesentlichen Werkzeugen.

Die Hermes 900 war maßgeblich an den UAV-Schlagoperationen der Israelis beteiligt.
Drohnen gegen Helikopter
Die Hermes 900 war mit einer Flugdauer von über 30 Stunden zentral für die Kriegsführung der Israelis. Bewaffnet mit Mikholit-Luft-Boden-Raketen streiften diese Drohnen über West- und Zentraliran. Ergänzend zu den Heron-900 boten die ebenfalls eingesetzten Heron TP noch längere Flugzeiten und größere Sensorabdeckung für präzise Aufklärungsdaten. Zusammen ermöglichten es diese Drohnen Israel, iranisches Territorium kontinuierlich in Echtzeit zu überwachen und zielgenau anzugreifen. Den iranischen Cobras fehlten alle Schutzsysteme, auf die moderne Drehflügler heute angewiesen sind: Die Flotte hatte keine Radarwarnempfänger oder Raketenwarnsysteme, auch Täuschkörper oder IR-Störsender fehlten. Selbst die modernisierten Toufan-2-Cobras lieferten nur ein sehr begrenztes Situationsbewusstsein. Gegen die bewaffneten Drohnen waren die Cobras nicht nur im Flug verwundbar, sondern auch am Boden. Für die Israelis waren die iranischen Cobras, solange sie im Dienst blieben, trotzdem eine latente Bedrohung für tieffliegende Drohnen. Die Konzentration von zwölf flugfähigen Cobras auf der Basis in Kermanshah an der Grenze zum Irak war für israelische Kriegsplaner besonders besorgniserregend. Kermanshah lag in Reichweite israelischer UAV-Patrouillen, die vom Irak aus querten. Am 18. Juni lenkten Hermes 900, die aus Zentraliran zurückkehrten, ihre verbleibenden Mikholit-Raketen gegen Kermanshah um. In diesem Moment waren die zwölf dort stationierten Cobras mit heruntergebundenen Rotoren und abgedeckten Einlässen auf Rampen geparkt. Acht von ihnen wurden bei Luftschlägen zerstört. Ein Bell 214A-Versorgungshubschrauber – hauptsächlich für medizinische Evakuierung in der Stadt verwendet – wurde ebenfalls getroffen.

Die Angriffe von Israel zwangen die iranischen Heeresflieger zu einer Notevakuierung ihrer Cobras.
Flucht ins Hinterland
Die Zerstörung von acht Cobras in einem einzigen Schlag stellte einen der schwersten Tagesverluste für die iranische Armee dar. Und sie zwang den Iran zu einer Notevakuierung der überlebenden Hubschrauber. Die verbleibenden vier flugfähigen AH-1J sowie 19 Agusta Bell AB.206A/B Jet Ranger und sieben AB.205 sowie 39 Bell 214A wurden auf Übungsplätze, Basen und Flugplätze rund um Kermanshah verteilt. Die nicht flugfähigen Hubschrauber wurden hastig auf Anhänger geladen und von der Basis entfernt. Der improvisierte Rückzug geriet in einen weiteren Angriff; eine israelische Drohnenattacke tötete mindestens einen Ingenieur, der versuchte, geparkte Hubschrauber zu retten. Auf der Basis Masdsched Soleyman im Süden des Iran wurden sechs AH-1J, zehn Bell 214A und drei AB.206A/B evakuiert, während in Isfahan im Zentraliran über 200 Hubschrauber um die Stadt herum verteilt oder in andere Städte geflogen wurden. Die plötzliche Verlegung war ein Schock für das Heeresflieger-Personal, das zum Teil ganze Karrieren damit verbracht hatte, diese Hubschrauber auf den Basen zu unterhalten. Trotz umfangreicher präventiver Schläge Israels schossen Irans verbleibende Boden-Luft-Raketensysteme und gelegentliche Jägereinsätze fünf Hermes 900 und eine Heron TP ab.
Die Lehre war für den Iran dennoch drastisch: Legacy-Drehflügler wie die AH-1J, selbst wenn aufgerüstet, sind grundsätzlich ungeeignet für moderne, von Drohnen dominierte Konflikte. In den 1980er Jahren war die Cobra entscheidend gegen irakische Panzer gewesen, aber 2025 wurde sie zu kaum mehr als einem stationären Ziel für umherstreifende UAVs. Am Ende der ersten Kriegswoche waren die Cobras kein bedeutender Faktor im Krieg mehr. Die israelische Angriffskampagne ließ die iranische Cobra-Flotte erschüttert zurück. Bis zum 19. Juni standen Basen, die jahrzehntelang Hubschrauberbataillone beherbergt hatten, praktisch leer.

Diese AH-1J gehört(e) zum Cobra-Trainingszentrum Vatan-Poor.
Cobras schwer dezimiert
Obwohl die Gesamtzahl verlorener Cobras mit mindestens acht im Vergleich zu den 88 Hubschraubern im Inventar sich eher bescheiden ausnimmt, war die Auswirkung groß. Viele der verbliebenen Maschinen waren plötzlich verstreut, für Wartungsmannschaften unzugänglich und wegen Ersatzteilmangels am Boden. Der Krieg reduzierte somit die operative Stärke der iranischen Armee weit mehr, als die reinen Verlustzahlen nahelegen. In den Wochen nach dem Angriff versuchte das Heeresflieger-Kommando, seine Flotte wiederherzustellen. Evakuierte Hubschrauber wurden in behelfsmäßigen Unterständen in der Nähe von Übungsplätzen gesammelt oder in ländlichen Regionen unter Tarnnetzen versteckt. Die flugfähigen, modernisierten Toufan-2-Cobras wurden zum Fokus der Bemühungen, eine glaubwürdige Abschreckung wiederherzustellen. Mit ihren aufgerüsteten Zielsystemen und ihrer Kompatibilität mit verbesserten iranischen TOW-Derivaten stellten sie die einzigen Cobras dar, die sich – zumindest theoretisch – modernen Bedrohungen entgegenstellen können.












