AW249 Fenice: Der beste Kampfhubschrauber für Deutschland?

Leonardo AW249 Fenice
Der beste Kampfhubschrauber für die Bundeswehr?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.06.2026
Als Favorit speichern

Die Weltpremiere fiel beinahe ins Wasser: Als die Leonardo AW249 Fenice am Mittwoch, dem 10. Juni, zu ihrer ersten Flugdarbietung auf der ILA 2026 ansetzte, türmten sich am Horizont bereits düster drohend die Regenwolken. Doch der Himmel hielt trocken – vorerst. Erst als der neue Kampfhubschrauber aus Italien nach seinem Airshow-Debüt wieder auf dem Taxiway in Richtung Static Display rollte, öffneten sich plötzlich alle Schleusen und es goss aus Kübeln.

Tags darauf, beim Pressetermin am Leonardo-Messestand auf dem Freigelände, lachte dagegen die Sonne auf die Medienvertreter, die den Fenice-Prototyp aus nächster Nähe unter die Lupe nahmen. Entsprechend gut gelaunt gaben sich die Verantwortlichen von Italiens Rüstungskonzern vor Ort. "Wir glauben absolut an die Idee des Kampfhubschraubers, auch in Zukunft", diktierte Leonardo-Geschäftsführer Lorenzo Mariani den Journalisten in die Blöcke. Die AW249, von Grund auf neu entwickelt, sei ein klares Bekenntnis dafür.

Unter dem Eindruck drohnendominierter Schlachtfelder sieht Leonardo seinen hochmodernen Helikopter allerdings in neuer und erweiterter Funktion.

Kampfhubschrauber in neuer Rolle

Auf dem Schlachtfeld der Zukunft müsse ein Kampfhubschrauber "weit über seine traditionelle Rolle hinaus" wachsen – und folglich nicht nur selbst aktiv Ziele bekämpfen, sondern Informationen aufnehmen, auswerten und weitergeben – an Bodentruppen, andere Luftfahrzeuge und unbemannte Systeme. Die Italiener sehen die AW249 in diesem Kontext als "kritischen Führungs- und Kommandoknoten im Gefechtsraum."

Die in enger Zusammenarbeit mit der italienischen Armee entwickelte Fenice sei "nicht als fliegender Panzerjäger" gedacht, unterstrich auch Marco Marinoni, der bei den Heeresfliegern für das Programm verantwortlich zeichnet. Stattdessen agiere sie eher als vernetzter Einsatzführer, der den Kampf aus sicherer Entfernung koordiniert und mitsteuert. "Die AW249 ist unsere F-35", betonte Marinoni den Stellenwert des neuen Hubschraubers für seine Truppe, und ergänzte: "Ein Kampfhubschrauber der nächsten Generation bleibt auf den heutigen und zukünftigen Schlachtfeldern entscheidend."

Leonardo-Kampfhubschrauber AW249 Fenice auf der ILA 2026.
Patrick Zwerger

Der einzige komplett neue Kampfhubschrauber

KI-gestützte Datenfusion soll der Besatzung der AW249 in allen Lagen exakt die Informationen liefern, die sie gerade braucht – und damit im Cockpit für ein überlegendes Situationsbewusstsein sorgen. Als einziger von Grund auf neu entwickelter Kampfhubschrauber der westlichen Welt sei die AW249 ein "Digital Native" und nutze die Vorteile moderner Sensorik optimal aus, ohne dabei Abstriche in Agilität und Überlebensfähigkeit zu machen, wie Leonardo und Armee unisono unterstrichen.

Denn eine klassische Stärke des Waffensystems Hubschrauber bleibt laut einhelliger Meinung der Fenice-Verantwortlichen auch weiter wichtig: der schnelle Flug dicht über dem Boden, tief in feindliches Gelände, im Schutz von Gelände und Bewuchs.

Leonardo-Kampfhubschrauber AW249 Fenice auf der ILA 2026.
Patrick Zwerger

Europa im Export-Fokus

Bei den italienischen Streitkräften soll die AW249 ab 2028 in Dienst gehen. 19 Exemplare hat Italien bislang fest bestellt, den Gesamtbedarf beziffern Industrie und Militär fürs Erste auf 48 Hubschrauber. Die Fenice-Serienproduktion läuft bereits, bis Ende 2029 sollen 17 Stück ausgeliefert sein.

Auf dem Exportmarkt will Leonardo vor allem mit der offenen Systemarchitektur des neuen Kampfhubschraubers punkten, dank der sich die AW249 an (fast) alle Kundenwünsche anpassen lässt. Den Besuch auf der ILA 2026 haben die Italiener indes nicht willkürlich gewählt: Europa gilt den Projektverantwortlichen als wichtigste Region für den Fenice-Export, vor dem Nahen Osten.

Leonardo-Kampfhubschrauber AW249 Fenice auf der ILA 2026.
Patrick Zwerger

Fenice für Deutschland?

Insbesondere Deutschland hat Leonardo dabei im Fokus – auch wenn man die direkte Nachfrage dazu lieber etwas ausweichend beantwortet: "Wir haben gesagt, dass unser Ziel Europa ist, und Deutschland gehört natürlich dazu", erklärte Leonardo-Sprecher Roberto Caparella auf Nachfrage der FLUG REVUE. "Deutschland ist Teil von Europa, und es ist wirklich eine wichtige Nation." Mit der anstehenden Ausmusterung des Tiger bei der Bundeswehr sehe man in Deutschland "operative Lücken" – die sich, so ließ sich klar heraushören, nach Meinung von Leonardo nicht einfach mit bewaffneten Mehrzweckhubschraubern schließen lassen.

Die AW249 dagegen sei ein echter Kampfhubschrauber – "mit einem Maß an Überlebensfähigkeit, das andere Mehrzweckplattformen nicht haben", so Caparella. "Ich nenne keine Namen, aber ich denke, es ist ziemlich offensichtlich."