Noch im November 2025, bei der ESA-Ministerratskonferenz in Bremen, wurde bestätigt, dass Europa drei Tickets für ESA-Astronauten für Mitflüge zur geplanten Raumstation Gateway im Mondorbit erhält. Damals kündigte der ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher an, dass ein Deutscher als erster die Möglichkeit für einen Flug zum Gateway erhalte, anschließend Frankreich und Italien. Im Gegenzug dafür sollte die ESA nicht nur Europäische Servicemodule (ESM) für die Raumkapsel Orion liefern, sondern auch Module für den Gateway.
Nur wenige Monate später ist das alles Makulatur: Die NASA hat ihr Artemis-Mondprogramm neu aufgestellt und unter anderem den Gateway gestrichen. Anstelle einer Raumstation im Mondorbit soll nun eine Basis auf der Mondoberfläche aufgebaut werden. Aber was ist jetzt mit den drei europäischen Mitflugtickets?
Ein Deutscher auf dem Mond?
"Der Gateway ist Vergangenheit. Wir müssen neu verhandeln", stellte der ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher auf der ILA klar. Einen Tag vor Beginn der Luft- und Raumfahrtmesse in Berlin hatten ESA und NASA überraschend angekündigt, dass der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano bei der Mission Artemis III im kommenden Jahr als Pilot mitfliegen wird. Die Mission führt jedoch nicht zum Mond, sondern in den niedrigen Erdorbit, wo vor allem Rendezvous- und Kopplungsmanöver der Orion-Kapsel mit einem oder beiden Mondlandern von SpaceX und Blue Origin im Fokus stehen. Dieser Mitflug Parmitanos sei Teil des derzeitigen Verhandlungsprozesses, so Aschbacher, und habe sich relativ kurzfristig ergeben.
Und was bedeutet das nun für den Flug zum Mond eines oder einer Deutschen? Plötzlich steht die Möglichkeit im Raum, dass er oder sie nicht nur in den Mondorbit reist, sondern sogar auf der Mondoberfläche landet. Man sei jedoch erst am Beginn der Verhandlungen mit der NASA, man erhoffe sich mehr Klarheit gegen Jahresende, so Aschbacher.
Als heiße Kandidaten für eine Mondlandung gelten Alexander Gerst und Matthias Maurer. Gerst war bereits zwei Mal auf der Internationalen Raumstation ISS, Maurer ein Mal. Der Reserveastronautin Amelie Schönenwald fehlt es derzeit noch an Raumflugerfahrung. Welcher deutsche Astronaut schließlich zum Mond fliegt, wird wohl erst im kommenden Jahr nach Abschluss von Artemis III verkündet werden.
Europäische Beiträge zu Artemis
Für die europäische Industrie ist das Aus des Gateway ein herber Schlag. Sie sollte die drei Module Lunar I-Hab, Lunar View und Lunar Link liefern. Thales Alenia Space in Italien war für Lunar I-Hab zuständig, Thales Alenia Space in Frankreich für Lunar View und Lunar Link. Zudem sollte Europa das HALO Lunar Communication System zum Gateway beisteuern. Wie immer in schwierigen Situationen müsse man aber auch die Chancen nutzen, sagte Daniel Neuenschwander, ESA-Direktor für bemannte und robotische Exploration, im Gespräch mit der FLUG REVUE. Man diskutieren diese Woche im ESA-Rat darüber, was mit der bereits begonnenen Hardware passiert.
Was das ESM für Orion angeht: Bisher ist die Lieferung von sechs ESMs an die NASA ausgemacht. "Die NASA hat weitere ESMs angefragt", antwortete Aschbacher auf eine Frage der FLUG REVUE. Konkret gehe es um ESM-7 und -8. Gebaut werden die ESMs in Bremen bei Airbus Defence and Space. Weitere ESMs wären erfreuliche Nachrichten. Allerdings ist bisher unklar, wie es nach Artemis V (geplant für 2029) weitergeht. Die bisherige Finanzierung des Artemis-Programms reicht nur bis dahin und die NASA hatte kommuniziert, dass sie die Kombination aus Space Launch System (SLS) und Orion nach Artemis V ausmustern will.













