Russland soll schneller mehr Flugzeuge bauen: Putin macht Druck

Putin macht Druck
Russland soll schneller mehr Flugzeuge bauen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.06.2026
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Russlands Zivilluftfahrt ächzt unter den Sanktionen. Knapp ein Fünftel aller Passagierflugzeuge der elf größten Airlines müssen derzeit am Boden bleiben, wie eine Recherche der russischen Zeitung Kommersant zutage fördert. Ersatzteilmangel und Wartungsstau bei westlichen Mustern, aber auch beim russischen Superjet der ersten Generation mit SaM-146-Triebwerken, fordern demnach zunehmend Tribut. Einzelne Carrier beklagen gar einen Ausfall von bis zu 74 Prozent der Flotte – der Spitzenwert steht namentlich für die Charter-Fluglinie Azur Air zu Buche.

Auch vor diesem Hintergrund fordert der russische Präsident Wladimir Putin von den Flugzeugbauern seines Landes mehr Tempo bei Entwicklung und Produktion einheimischer Muster, die die West-Airliner Schritt für Schritt ersetzen sollen. Während eines Treffens mit Industrievertretern am 24. Juni im Michail-Gromow-Institut für Flugforschung in Schukowski merkte Putin an, dass die Nachfrage nach Flugreisen, sowohl im Inland als auch international, "sehr hoch" sei.

Im Rahmen der "nationalen Entwicklungsziele" habe man daher vereinbart, "die Luftmobilität für die Bevölkerung deutlich zu erhöhen", so Putin weiter. "Es besteht jedoch die Gefahr, dass das Zielaufkommen der Regierung nicht erreicht werden kann."

Russische Flugzeuge als Schlüssel

Um dem entgegenzuwirken, nimmt der Präsident die Verantwortlichen der Vereinigten Flugzeugwerke Russlands in die Pflicht: "Die wichtigste, grundlegende Bedingung für die Lösung dieses Problems ist die Erhöhung des Angebots an modernen im Inland produzierten Flugzeugen", unterstrich Putin. Seine Regierung werde ihrerseits "alles Nötige tun", um Russlands Airlines rasch mit möglichst vielen russischen Maschinen auszustatten.

Putin gestand ein, dass der schnelle Hochlauf der Produktion eine "sehr ehrgeizige Aufgabe" für alle Beteiligten sei – zumal er zusätzlich voraussetzte, dass die russischen Flugzeuge in Technik, Qualität und Zuverlässigkeit "erfolgreich" mit den westlichen Gegenstücken konkurrieren können.

Patrick Zwerger

Putin: "Alles muss schneller gemacht werden"

Putin betonte, dass die internationalen Sanktionen gegen Russland auch eine "Chance" für die Entwicklung der heimischen Luftfahrtindustrie geschaffen hätten. Die Fortschritte bei den neuen russischen Flugzeugtypen gehen ihm augenscheinlich allerdings zu langsam – schließlich stehe "ein dramatischer Anstieg der inländischen Flugzeugproduktion" bevor.

"Wir sprechen von einer riesigen, langfristigen Bestellung, die von Flugzeugherstellern, ihren Subunternehmern und ihren Zulieferern erfüllt werden muss", so Putin weiter. "Alles muss schneller gemacht werden – ich würde wirklich gerne sehen, dass alles schneller und in einem größeren Maßstab gemacht wird."

Russische Airliner MS-21, Superjet SJ-100 und Il-114-300 in Archengelsk.
UAC (OAK)

Superjet und MS-21 verspäten sich weiter

Vor dem Hintergrund dieser Erwartungshaltung dürfte der Staatschef über die jüngsten Nachrichten zu Russlands wichtigsten zivilen Flugzeugprojekten eher weniger erfreut sein. Zwar hat die Turboprop-Hoffnung Iljuschin Il-114-300 Anfang Juni endlich ihre Musterzulassung von der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija erhalten.

Derweil verschob das Industrie- und Handelsministerium jedoch die Zulassungstermine für den "russifizierten" Jakowlew Superjet SJ-100 und die auf links gekrempelte Jakowlew MS-21-310 ein weiteres Mal. Der Superjet soll nun statt im August erst "Ende 2026 oder im ersten Quartal 2027" zugelassen werden. Die Zertifizierung der MS-21-310 wird ebenfalls erst 2027 erwartet. Die drei eingesetzten Prototypen haben nach offiziellen Angaben erst rund 40 Prozent des Erprobungsprogramms absolviert.