70 Jahre FLUG REVUE: Anekdoten und Erlebnisse aus der Redaktion

Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben
Anekdoten aus dem Redaktionsalltag der FLUG REVUE

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.09.2026
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Schweizer Abfangjäger am Fenster einer Boeing 777-300ER für Swiss
Foto: Sebastian Steinke

Ob auf einem Flugzeugträger im Arabischen Meer, bei einem Raketenstart in Kalifornien oder an Bord einer 747SP: Der Redaktionsalltag der FLUG REVUE führt immer wieder an besondere Orte und in ungewöhnliche Situationen. Zum Jubiläum erinnern sich unsere Redakteurinnen und Redakteure an Erlebnisse, die ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind.

Ulrike Ebner, Redakteurin Raumfahrt und Technik

Ulrike Ebner, Redakteurin Raumfahrt und Technik, am Space Launch Complex 4 in Vandenberg
Ulrike Ebner

Nur rund 150 Meter von mir entfernt soll sie stehen, eine Falcon 9 von SpaceX mit dem ESA-Satelliten EarthCARE an Bord. Doch ich sehe: nichts. Nichts als wattigen, weißen Nebel. Damit hatte ich zugegebenermaßen nicht gerechnet, als ich von der Europäischen Weltraumorganisation zu einer Pressereise Ende Mai 2024 nach Vandenberg, Kalifornien eingeladen wurde.

Noch macht mich die Nebelwand, die mich von der Falcon 9 trennt, nicht übermäßig nervös. Der Start ist erst für den Nachmittag geplant. Bestimmt verzieht sich der Nebel bis dahin. Oder?! Als wir uns am Nachmittag erneut am Eingang der Vandenberg Space Force Base treffen, sieht der Himmel noch genauso grau aus wie am Morgen. Die etwa acht Kilometer entfernt auf Space Launch Complex 4 stehende Rakete lässt sich durch den Nebel nur erahnen. Die Minuten bis zum Start ziehen sich wie Kaugummi. Dann hören wir endlich über Funk den Countdown. "3, 2, 1, Ignition, and Liftoff!" Aus der Entfernung sehen wir zunächst den hellen Feuerball der neun Merlin-Triebwerke und Rauch, bevor wir das dazu passende Fauchen hören. Die Falcon 9 hebt ab – und ist nach wenigen Sekunden in den niedrigen Wolken verschwunden.

Start der Falcon 9 mit dem ESA-Satelliten EarthCARE am 28. Mai 2024 in Vandenberg
ESA / S. Corvaja

Bei einem Raketenstart in Kourou wäre es das gewesen. Doch bei SpaceX gibt es oft, und zum Glück in diesem Fall, noch eine Landung der Erststufe. Rund acht Minuten nach dem Start schwebt, surreal, die Raketenstufe durch die Wolken wieder ein, man sieht nur das Feuer des einzelnen Merlin-Triebwerks, das sie abbremst. Kurz bevor sie auf der Landezone, die etwas mehr als 400 Meter von der Startrampe entfernt ist, aufsetzt, ertönt ein atemberaubender Dreifachknall, der sogenannte Flyback Sonic Boom. Nach der Stufentrennung fällt die Falcon 9 aus rund 140 Kilometern Höhe mit Überschallgeschwindigkeit zurück zur Erde. Der erste Knall entsteht am unteren Ende der Triebwerke, der zweite an den noch eingeklappten Landebeinen und der dritte stammt von den Steuerflächen am oberen Ende der Stufe. Auch wenn ich die Falcon 9 kaum gesehen habe – der akustische Eindruck der Rakete und natürlich die vielen exklusiven Informationen waren die Reise auf jeden Fall wert.

Patrick Hoeveler, Redaktionsleiter

FLUG-REVUE-Redaktionsleiter Patrick Hoeveler auf der USS Enterprise
Patrick Hoeveler

Mein vielleicht eindrucksvollstes Erlebnis bis dato war ein Patrouillenflug mit einer Sikorsky SH-60F Seahawk der US Navy über dem Flugzeugträger USS Enterprise im Nordarabischen Meer während der vorletzten Einsatzfahrt des ersten nukleargetriebenen Carriers der Welt im Jahr 2011. Auch die Hakenlandung und der Katapultstart an Bord der C-2A Greyhound waren spannend – eine Erfahrung, die heute nur aktiven Piloten und Besatzungsmitgliedern vorbehalten bleibt. Mit der Ausmusterung des bewährten Turboprops in diesem Sommer führt die Navy die COD-Dienste (Carrier on-board Delivery) jetzt mit dem Osprey-Tiltrotor durch.

Doch genau diese Greyhound sorgte damals für eine Erfahrung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Nach dem Start von der Enterprise ging es nicht direkt zurück zum Stützpunkt in Bahrain, da bei einer Zwischenlandung auf einem US-Stützpunkt in Katar eine Crew abgesetzt werden sollte. Beim Rollen zur Abstellposition brüllte der Lademeister aber plötzlich: "Feuer, Feuer, alle raus!" Hektisch sprangen alle Insassen aus der offenen Rampe. Dann war die Erleichterung groß: An der betagten Maschine brannte nichts. Trotzdem hatte ein technischer Fehler für das abrupte Ende des Fluges gesorgt – was mich vor ein gravierendes Problem stellte: Ohne Visum durfte ich offiziell nicht einreisen. Also hieß es die nächsten 24 Stunden im kargen Zelt warten, das als provisorische Abflughalle diente. Fast konstant kamen und gingen US-Soldaten auf ihrem Weg nach Afghanistan oder Irak. Langsam wurden die Hausherren in Katar ungeduldig, aus Sicherheitsgründen plante die US Air Force schon meinen Flug nach Bagram nördlich von Kabul. Von dort aus sollte es dann weitergehen. Doch endlich ertönte das charakteristische Triebwerksgeräusch einer C-2. Und mit einem Tag Verspätung landete ich schließlich wieder in Bahrain.

Patrick Holland-Moritz, Redakteur Business Aviation

Redakteur Patrick Holland-Moritz während der Rheintour 2025 am Flugplatz Altenrhein
Ilona Schlottke

Kurzstrecke statt Jetset. Kolbenmotor statt Düse. Als Redakteur, der für die FLUG REVUE und ihr Schwestermagazin aerokurier gleichermaßen arbeitet, spielt sich mein (Flieger-)Leben öfter im Cockpit von Cessna 172, Aquila und UL ab als in der Airliner-Kabine oder auf den Airshows irgendwo auf der Welt. Einen Flug selbst zu planen, eigenverantwortlich in "den Controls" zu sein und die Welt von oben zu erleben – das bedeutet für mich Freiheit in ihrer schönsten Form.

Mein Toperlebnis nahm im Sommer 2025 in den Schweizer Alpen seinen Anfang und endete mit der Landung am Flughafen Rotterdam. Zehn Tage sind wir mit einer Cessna 172 dem gesamten Rhein gefolgt. Mehr als einmal war ich gezwungen, meine Komfortzone zu verlassen: Wetter, Bürokratie, Lufträume und teils anspruchsvolle Flugplätze haben meine Skills als Privatpilot immer wieder aufs Neue gefordert.

FLUG-REVUE-Redakteur für Business Aviation Patrick Holland-Moritz mit der Sikorsky S-58T „Screaming Mimi“ in Texas.
Patrick Holland-Moritz

Was ist sonst noch in Erinnerung geblieben? Zweifellos die Besuche beim größten Fly-in der Welt, dem AirVenture in Oshkosh, wo ich 2016 von einem kleineren Platz bei Chicago kommend sogar selbst anfliegen und landen durfte. Unvergessen auch die Hahnweide im September 2025: Als Passagier durfte ich im originalgetreuen Nachbau der Junkers F13 Platz nehmen und für ein paar magische Momente rund 100 Jahre in die Vergangenheit reisen. Schließlich war da noch dieses unwiderstehliche Angebot von Embraer, an Bord einer Phenom 100 im Anschluss an die NBAA BACE von Las Vegas zum Werk des Herstellers in Melbourne, Florida zu fliegen. – Auf diesem Tagestrip mit dem kleinen Jet wurde mir angesichts von zwei Tankstopps zum ersten Mal so richtig bewusst, wie riesig die USA wirklich sind. Eine Sache muss noch Erwähnung finden: 2023 bin ich in Texas "Screaming Mimi" begegnet, jener legendär-klapprigen Sikorsky S-58T mit dem weit aufgerissenen Comic-Maul aus der 1980er-Jahre-TV-Serie "Ein Trio mit vier Fäusten". Die alte Dame ist Baujahr 1962 – und damit nur sechs Jahre jünger als die FLUG REVUE.

Patrick Zwerger, Redaktionsleiter Luftfahrt Digital und stv. Redaktionsleiter FLUG REVUE

Patrick Zwerger, Redaktionsleiter Luftfahrt Digital und stv. Redaktionsleiter FLUG REVUE im Cockpit der Boeing 747-SP SOFIA
Patrick Zwerger

"Haben Sie in der Nacht zum 19. September schon was vor?" Die Stimme von DLR-Mann Clemens Plank am Telefon habe ich auch heute noch im Ohr, wenn ich an meine Nacht mit SOFIA denke – dem fliegenden Infrarot-Teleskop, mit dem die NASA und das DLR damals in Stuttgart zu Besuch waren. 2019 war das, und was mich noch viel mehr reizte als ein Teleskop im Flugzeug, war der Umstand, dass dieses Flugzeug eine Boeing 747SP war – eine von nur 45 je gebauten, und eine der letzten, die noch flogen. Diese besondere 747SP war aus Kalifornien nach Deutschland gekommen und sollte ab Stuttgart eine Mission über Europa fliegen – die erste überhaupt. Ich hatte mich natürlich nach einem Mitflug erkundigt, war aber abgewimmelt worden. Jetzt, zwei oder drei Tage vor dem nächtlichen Trip, schien sich das Blatt doch noch zu wenden. "Ähm, bis jetzt nicht", war meine Antwort auf die Eingangsfrage – und natürlich hoffte ich auf exakt die Worte, die dann folgten: "Dann darf ich Sie herzlich an Bord von SOFIA begrüßen." Jackpot! Allerdings musste ich vorher noch ein Fax  mit meinen Daten an die NASA schicken – was gar nicht so leicht war, weil es im gesamten Redaktionsgebäude kein entsprechendes Gerät mehr gab. Über diverse Umwege schaffte ich jedoch auch diese Hürde, war abends am 18. September 2019 pünktlich am Stuttgarter Flughafen – und erlebte während eines neuneinhalbstündigen Fluges über ganz Europa eine schlaflose Nacht der Extraklasse, die ich bestimmt niemals vergessen werde.

Mirjam Alama, Redakteurin Luft- und Raumfahrt

Redakteurin für Luft- und Raumfahrt Mirjam Alama vor einer F-35 in Florennes
Mirjam Alama

Meine erste Flugshow und mein erster Tarnkappenjet. So lange wie meine Kolleginnen und Kollegen bin ich noch nicht bei der FLUG REVUE dabei. Ein paar besondere Erlebnisse konnte ich innerhalb dieses Jahres aber trotzdem sammeln. Inhaltlich beschäftige ich mich vor allem mit Raumfahrt und militärischer Luftfahrt – am liebsten mit den Regionen Asiens und Nordafrikas. Mein persönliches Highlight der vergangenen zwölf Monate war trotzdem etwas anderes: meine erste Airshow.

Die Flugzeuge, über die ich sonst am meisten schreibe, bekam ich dort zwar nicht zu sehen. Dafür aber das Kampfjetmodell, das einst mein Interesse an der Luftfahrt geweckt hatte: die F-35 Lightning II. Beim "Tag der belgischen Luftwaffe" konnte ich auf der Luftwaffenbasis Florennes Belgiens erste F-35A am Boden und in der Luft erleben. Auch als Luftfahrtjournalistin darf man nicht jeden Tag einen Tarnkappenjet aus nächster Nähe sehen und vor allem dabei Pommes Frites essen.

Natürlich gab es dort noch mehr schöne Flugzeuge: eine türkische und eine griechische F-4 Phantom II etwa oder die Royal Jordanian Falcons. Die Falcons sind das erste Kunstflugteam, das ich live erleben durfte.Die Reise nach Belgien hat sich trotz knapp 40 Grad auf jeden Fall gelohnt, auch wenn ich mir für meine nächste Begegnung mit einer F-35 etwas kühleres Wetter wünschen würde. Bis ich zum ersten Mal zu einem Raketenstart eingeladen werde oder eine Su-35 im Flug sehe, bleibt dieser Tag wohl das prägendste Erlebnis meines bisherigen Redaktionsalltags.

Sebastian Steinke, Redakteur Zivilluftfahrt

Sebastian Steinke, Redakteur Zivilluftfahrt FLUG REVUE
Sebastian Steinke

Flugzeugbau ist ein Gebiet, über das ich für die FLUG REVUE oft berichte, und manchmal darf man dabei tief hinter die Kulissen sonst verschlossener Flugzeugwerke blicken. Eine ganz seltene Ehre ist es aber, wenn Airlines "ab Werk" zum Mitflug in einem nagelneuen Flugzeug einladen. So wie Swiss im März 2018, als die zehnte und letzte Boeing 777-300ER ihres (damaligen) Auftragsloses geliefert wurde. Flug LX7531 führte vom Auslieferungszentrum im Boeing-Werk Everett direkt nach Zürich. Am Steuer saß der Technische Pilot von Swiss, Kapitän Yves Dissler, der in Everett auch sämtliche Abnahmeflüge der Triple Seven für Swiss durchgeführt hatte. An Bord waren rund 60 Passagiere, darunter die Abnahmemannschaft von Swiss und eine Journalistengruppe, zu der auch ich als Mitarbeiter der FLUG REVUE gehörte. Neben einer Boeing-Werksbesichtigung und Vorträgen von Swiss und Boeing gab es im Auslieferungszentrum noch ein warmes Buffet. Dann ging man, richtig mit Sicherheitskontrolle und formeller US-Ausreise, durch die Gangway an Bord. In ganz neuen Flugzeugen duftet es wirklich "neuwagenmäßig." Alles sieht noch "prägefrisch" aus. Selbst die Triebwerke, Reifen und Gurtschnallen. Dann rollten wir entlang winkender Boeing-Mechaniker zum Start. An Bord flogen viele Swiss-Mitarbeiter mit, darunter die Vertragsjuristin, die alle Einzelheiten ausgehandelt hatte.

Im Cockpit einer Boeing 777-300ER für Swiss bei Boeing in Everett
Sebastian Steinke

Der Höhepunkt folgte aber bei unserem Eintreffen in der Schweiz: Swiss und die Schweizer Luftwaffe hatten eine Abfangübung mit unserem unerwarteten Sonderflug verabredet. F/A-18-Abfangjäger aus Payerne stiegen zu uns auf, als wären wir ein unbekannter Eindringling. Dazu war extra unsere Abflugzeit in Everett so bemessen worden, dass wir früh morgens, nahe Genf, "überraschend" über der Schweiz auftauchten. Doch wie Jagdhunde einen Elefanten umringten uns schon bald die sehr wendigen Hornets übungshalber und brachten sich, fast schon spielerisch, wechselnd in Schussposition hinter uns oder seitlich unserer Cockpitfenster in Sichtweite. Dann eskortierten sie uns in Formation entlang der bei bester Sicht im Morgenlicht besonders majestätischen Schweizer Bergwelt. Kapitän Dissler flog extra entlang der Gipfel von unter anderem Montblanc, Matterhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau nach Kloten. Die Schönheit dieses Augenblicks bleibt mir unvergessen.