Vielseitig, robust, leistungsstark und gut zu fliegen: Die Do 228 gehört zweifellos zu den besten Konstruktionen des deutschen Flugzeugbauers Dornier nach dem Zweiten Weltkrieg. Nicht umsonst fliegt die markante Zweimot mit der langen Nase und dem viereckigen Rumpf bis heute in den entlegensten Winkeln und an die anspruchsvollsten Airports der Welt und erfüllt dort unterschiedlichste Aufgaben. Ihre von Haus aus exzellenten Kurzstart- und landeeigenschaften machen sie zum Beispiel zum Dauergast auf Nepals berühmtem Höhenflughafen Lukla. Und auch beim Militär erfüllt der Dornier-Tausendsassa rund um den Globus viele Aufgaben.
Doch die Do 228 kommen langsam in die Jahre – der Serienbau bei Dornier lief von 1981 bis 1998, eine Neuauflage durch den Schweizer Staatskonzern RUAG führte zwischen 2009 und 2020 nur zu bescheidenen 14 zusätzlichen Exemplaren.
Mit der brandneuen Do228 NXT will das Unternehmen General Atomics Aerotec am Traditionsstandort Oberpfaffenhofen nun das Muster in die Zukunft retten – und zugleich beweisen, dass eine frisch modernisierte Variante des Klassikers nicht nur technisch machbar ist, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann.
Erst Jungfernflug, dann Roll-out, dann Messedebüt
Auf der ILA 2026 in Berlin präsentiert General Atomics die Do228 NXT erstmals dem breiten Publikum – nach dem erfolgreichen Erstflug der noch unlackierten Maschine im Mai und dem anschließenden Roll-out im vollen Farbkleid am Tag vor der Abreise nach Berlin.
Diese Reihenfolge habe man bewusst gewählt, sagt Programmchefin Martina Hierle im Gespräch mit der FLUG REVUE. "Uns war es wichtig, der Welt zu zeigen, dass es funktioniert – es waren natürlich viele Skeptiker die letzten Jahre unterwegs, deshalb wollten wir sicherstellen, dass alles passt." Entsprechend straff war der Zeitplan bis dahin, hatte man die klare Deadline doch vor Augen. "Die letzten Wochen waren schon echt hart", gibt die Bayerin zu. "Aber der Erfolg am Ende war ein schöner Lohn dafür."

Bei der Ankunft auf dem ILA-Gelände am Nachmittag des 9. Juni begrüßte die Berliner Flughafenfeuerwehr die Do228 NXT mit einem Wassersalut.
Die Programmchefin fliegt selbst
Martina Hierle saß beim Erstflug der NXT selbst am Steuer, fungiert sie bei General Atomics doch nicht nur als Programmverantwortliche für die Do228, sondern auch als Testpilotin. "Das macht es natürlich richtig besonders, zuerst an dem Projekt zu arbeiten, die Entwicklung zu sehen, die Fortschritte zu erleben – und dann das Flugzeug auch noch selbst zum ersten Mal zu fliegen, das ist schon echt spannend."
Dass bis zum Jungfernflug bei General Atomics vieles richtig lief, davon gaben die anschließend erflogenen Parameter ihr Zeugnis – verliefen die bisherigen Test- und Überführungsflüge doch allesamt nach Plan und ohne böse Überraschung.

Beim Erstflug im Mai 2026 war die Do228 NXT noch "grün" unterwegs, die Lackierung erhielt sie erst im Anschluss.
Perfekte Vorarbeit von Dornier
Das liegt natürlich auch daran, dass Dornier einst mit der Do 228 eine hervorragende Basis lieferte, an der General Atomics bewusst nicht rütteln wollte. "Die haben damals wirklich vieles richtig gemacht bei Dornier, an dem Entwurf selbst gibt es wenig Verbesserungspotenzial", schwärmt Martina Hierle. "Der Flügel zum Beispiel, der ist optimiert bis aufs Letzte."
Deshalb sei die Entscheidung von Beginn an klar gewesen, auf dem Bewährten aufzubauen. "Die DNA bleibt die gleiche", unterstreicht die Programmchefin. Das wiederum hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man die Do228 NXT nicht komplett neu zulassen muss, sondern lediglich ein erweitertes Musterzertifikat benötigt, das die vorgenommenen Änderungen berücksichtigt.

Die Do228 NXT basiert - wie schon die NG von RUAG - auf der gestreckten Variante Do 228-212, nutzt deren TPE 331-10-Motoren und ist 16,56 Meter lang.
Dezente Änderungen
Diese finden sich bei der Do228 NXT vor allem in Cockpit und Kabine. Die schon aus der NG-Version bekannte Avionik-Suite von Universal mit vier großen Farbbildschirmen verhilft dem Flight Deck zu einem zeitgemäßen, betont aufgeräumten Antlitz.
Bei der NXT erhielt sie ein Update. Neu sind USB-Ports zum Anschließen von Tablets, außerdem hielt ein neuer Flugdatenrechner Einzug und auch ein neues Fluglage-Referenzsystem hat General Atomics verbaut. Geplant ist außerdem noch eine neue Moving Map.
Die Kabine erfuhr derweil eine umfangreiche Frischekur – der optisch doch recht angestaubte 80er-Jahre-Look mit braunen, beigefarbenen und blauen Farbtönen wich einem zeitgemäßeren Schema in Grau und Schwarz. Neu ist auch das Beleuchtungskonzept – moderne LEDs ersetzen die aus der Zeit gefallenen Neonröhren.

Das Cockpit präsentiert sich modern und aufgeräumt, mit großen Bildschirmen - wie schon beim Vorgänger Do228 NG.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten
Dem Grundkonzept der alten Do 228 folgend, preist General Atomics die Do228 NXT dem Markt als praktikablen Alleskönner an – und richtet sich folgerichtig an zivile wie militärische Kunden sowie für Spezialmissionen. In der Passagierversion bietet der kantige Rumpf Platz für 19 Passagiere, die auf durchaus bequemen Sitzen Platz nehmen.
Der auf der ILA gezeigte Prototyp beinhaltet darüber hinaus für Demonstrationszwecke eine Special Mission-Systemkonsole, zwei Liegen für MedEvac-Einsätze und einen quer eingebauten Sitz für Fallschirmspirnger. "Je nach Kundenwunsch können wir alles mögliche einbauen", unterstreicht Martine Hierle.

General Atomics platziert die Do228 NXT für vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Im Prototyp ist unter anderem ein Sitz für Fallschirmspringer zu sehen.
Möglichst kurze Lieferketten
Fürs Erste plant General Atomics in Oberpfaffenhofen mit einer jährlichen Produktion von fünf Do228 NXT. Alle Großkomponenten werden dabei vor Ort gefertigt, bei Zulieferern konzentriert man sich (mit Ausnahme von Triebwerken und Avionik) vor allem auf Firmen aus Europa, um das Risiko holpernder Lieferketten so gering wie möglich zu halten.
Bei Bedarf könne man mittelfristig auf sieben bis maximal zehn Maschinen hochskalieren, rechnet die Programmleiterin vor. Das erste Kundenflugzeug befindet sich schon in der Endmontage. Es soll Anfang 2027 ausgeliefert werden – an wen es geht, bleibt vorerst ein Geheimnis.

Auch die Deutsche Marine betreibt die Do 228, für Patrouillenflüge dicht über der Nordseeoberfläche.
Upgrade für alte Do 228
Neben der Produktion neuer Flugzeuge bietet General Atomics gegenwärtigen Betreibern älterer Do 228 das NXT-Paket in Kombination mit einer Generalüberholung der Struktur auch als Upgrade an. "Damit können diese Flugzeuge problemlos noch mal 30 Jahre im Einsatz bleiben", unterstreicht Martina Hierle. Zumal die Do 228 von Haus aus keine Druckkabine besitzt, was sich deutlich positiv auf die Lebensdauer der Zelle auswirkt.
Das erste Produktionslos neuer Maschinen umfasst laut Plan 25 Exemplare. Damit wäre die Fertigung schon einmal für fünf Jahre gesichert.













